• „Vor eine unmögliche Aufgabe gestellt“: Berliner Kinderläden beklagen Senatsvorgaben zur Notbetreuung
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„Vor eine unmögliche Aufgabe gestellt“ : Berliner Kinderläden beklagen Senatsvorgaben zur Notbetreuung

Der Verband der Kinderläden ist empört über die jüngsten Vorgaben. Er sieht sich vom Senat alleingelassen und wirft ihm "politisch motivierten Schwenk" vor.

Wer darf den nun wie lange? Die Regeln zur Notbetreuung in Kitas sind verwirrend.
Wer darf den nun wie lange? Die Regeln zur Notbetreuung in Kitas sind verwirrend.Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Nun platzt dem DaKs der Kragen: Der bislang eher zurückhaltende Dachverband der Berliner Kinder- und Schülerläden zeigt sich empört über die jüngsten Regelungen zur Notbetreuung vom Dienstag.

Demnach sollen Eltern in systemrelevanten Berufen auch weiterhin einen über vier Stunden täglich hinausgehenden Anspruch auf Betreuung haben. Dies stellte die Senatsbildungsverwaltung nach einem missverständlichen Schreiben vom Montag klar. Allerdings war auch in der Pressemitteilung zum Stufenplan vom vergangenen Donnerstag nur von längeren Betreuungszeiten "in Einzelfällen" die Rede gewesen.

Der Senat hatte am Donnerstag vergangener Woche eine Ausweitung der Notbetreuung in Stufen angekündigt. Bis zu den Sommerferien soll jedes Kita-Kind ein Betreuungsangebot erhalten. Dagegen hatten Kitaträger gewarnt, dass ihre Kapazitäten schon fast erschöpft seien.

"Der Senat spielt 'Wasch mich, aber mach mich nicht nass' mit uns", beklagen sich Babette Sperle und Roland Kern vom DaKs nun in einer Pressemitteilung über den "offensichtlich politisch motivierten Schwenk" des Senats.

Es sei nicht möglich, Kinder von Eltern aus systemrelevanten Berufen bedarfsorientiert zu betreuen und gleichzeitig alle Kinder schrittweise aufzunehmen sowie auch noch auf den Infektionsschutz zu achten - durch die Betreuung in kleinen und stabilen Gruppen. Die Berliner Kitas würden "vor eine unmögliche Aufgabe gestellt – und dabei alleingelassen", kritisieren die Sprecher der Kinderläden.

Konkret bemängelt der Verband, der um die 800 Kitas mit etwa 22.000 Plätzen vertritt, die "aufgeblähte Systemrelevanzliste" des Senats – von der Notbetreuung nach Bedarf profitierten demnach Krankenschwester und Polizist ebenso wie "Späti-Verkäufer und Gewerkschaftssekretär".

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Der Dachverband, der bislang konstruktiv und um schnelle Umsetzung der ständig wechselnden Regelungen bemüht auftrat, fordert nun vom Senat, die folgenden Schritte enger mit den Verbänden abzustimmen und sich öffentlich dazu zu bekennen, "dass man nicht alles gleichzeitig haben kann".

Appell an Eltern: "Seid vernünftiger, als der Senat sich zu fordern traut"

An die Eltern und Kitas hingegen geht ein einfacher Appell: Sie sollen miteinander reden. "Seid vernünftiger, als es der Senat sich traut, von Euch zu fordern, und findet gemeinsam mit Eurer Kita Wege, die das Angebot für alle mit dem Mindestmaß an Infektionsschutz für Eure Kinder und deren Erzieher*innen verbindet", schrieb der DaKs-Vorstand den Eltern.

Die Einrichtungen wiederum sollten von sich aus die Kita-Aufsicht informieren, "wenn Ihr Betreuungsanforderungen und Infektionsschutz nicht mehr miteinander vereinbaren könnt".

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