• Vorwürfe gegen gefeuerten BER-Technikchef: "Es liegt nach wie vor kein Terminplan vor"

Das vertrauliche Dokument im Original

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Update
Vorwürfe gegen gefeuerten BER-Technikchef : "Es liegt nach wie vor kein Terminplan vor"
Jörg Marks, der entlassene Technikchef des BER.
Jörg Marks, der entlassene Technikchef des BER.Foto: dpa/Patrick Pleul

Nachfolgend veröffentlicht der Tagesspiegel das interne Dokument mit dem Titel "Problemthemen BER" zur Arbeit von Jörg Marks. Die im Dokument genannten Firmen haben wir durch XXXX ersetzt.

"Technische Themen

1.    Bahntunnel

Bis Mitte 2016 hat Herr Marks immer wieder behauptet, dass das Thema Bahntunnel in guter Klärung ist, obwohl über 2 Jahre keine  Einigung auftrat

Durch die Nachfrage des Generalplaners bei KM, sich dieses Themas anzunehmen, wurde der 2 jährige Stillstand aufgelöst und durch Eskalation gemeinsam mit BB in einer Runde beim regierenden Bürgermeister gelöst. Seitdem existiert eine enge Zusammenarbeit zwischen KM und den Leitern der Bahn

2.    Präsenz der OÜ in der Fläche
Klagen sowohl aus der Bauorganisation als auch der Geschäftsleitung, dass die Objektüberwachung nicht ausreichend auf der Fläche präsent ist und damit die Arbeit nicht kontrolliert, wurden von Herrn Marks trotz regelmäßiger Aufforderung nie umgesetzt. Herr Bretschneider hat dies in der 1. Woche umgesetzt

3.    Bauappell:
XXXX als auch die Geschäftsführung zu täglichen Baubesprechungen zur Koordination wurden von Herrn Marks nicht umgesetzt. Herr Bretschneider hat dies ab Woche 2 umgesetzt

4.    Planung
Herr Marks hat Ende 2016 die Planung als fertig gemeldet. Tatsächlich wird in erheblichem Umfang weiter geplant und es gibt erhebliche Mängel in den Planungsunterlagen. Diese Defizite wurden nicht durch klare organisatorische und fachliche Anweisungen korrigiert. Es fehlt an Kontrolle der Planungsbüros. Dies wird zusätzliche SV-Begehungen erfordern

5.    Änderungsmanagement
Trotz mehrfacher Aufforderung hat Herr Marks nie ein formelles Änderungsmanagement aufgezogen und damit Planungsänderungen verhindert.

6.    Zonen Checks Sprinkler/BMA
Seit Frühjahr 2016 ist im Baubereich bekannt, dass die Alarmierungsbereiche von Sprinkler und BMA nicht übereinstimmen (Zuordnung Land-/Luftseite). Dies ist ein Fehler in der ursprünglichen Planung und erfordert einen Umbau. Erst nach Bedenkenanzeige xxx wurde dieses Thema außerhalb des Baubereiches bekannt gegeben und ist zur Zeit einer der größten Terminrisiken

7.    Sprinkleranlagen/Hydraulische Berechnungen
Die mangelhafte Planung und Dimensionierung der Sprinkleranlage war bereits seit Jahren durch Sachverständigengutachten und durch TÜV-Bestandsaufnahmen im Bau bekannt. Die Bauleitung hat aber die Mahner aus dem Projekt entfernt und verhindert, dass die Bedenken offen analysiert werden.
Ende 2016 wurden die Unterdimensionierung und fehlenden Berechnungen bekannt. Die Bauleitung suggeriert nun, dass bis Anfang März die Überschlagsberechnungen vorliegen. Tatsächlich liegen aber nur qualitative Bewertungen zu, die zur Neudimensionierung und dem Umbau genutzt werden sollen. Das Risiko verbleibt, dass spätere Rechnungen weitere Änderungen erfordern. Dies wurde nicht kommuniziert. Es liegt nach wie vor kein Terminplan vor.

8.    Technische IBN
Die Vorgehensweise für die Teil-Wirk- und Prinzipprüfungen wurde bauintern geändert auf interne Interaktionstest ohne ÜSV, weil die Dokumentation nicht vorliegt. Es besteht ein hohes Risiko, dass die Tests zusammen mit der ÜSV wiederholt werden müssen. Dies wurde nicht kommuniziert.

9.    Genehmigter/geduldeter Bau
In 2016 wurden die Fortlufttürme durch die Gebäudedecke gestoßen, obwohl dies vom BOA weder geduldet noch genehmigt war, noch der Geschäftsführung bekannt war.

 

 

Kommerzielle/Organisatorische Defizite

1.    Mangelnde Organisation des Bereiches TB
Die BER-Bauorganiosation ist mit ca. 160 Mitarbeitern überdimensioniert und fachlich nicht bereit gewesen Defizite in Zuständigkeiten und Verantwortungen zu lösen, obwohl dies mehrfach durch die Geschäftsführung eingefordert wurde

2.    Baunebenkosten
Derzeit betragen die Baunebenkosten ca. 200% der Baukosten vor Ort. Im Regelfall betragen diese Kosten nur ca. 20-30%. Trotz Forderungen zur Reduzierung von Fachleuten und der Geschäftsführung war die Bauleitung nicht bereit die notwendige Straffung und Reduzierung der Organisation vorzunehmen, da er diese hohen Baunebenkosten aufgrund der Besonderheit des Projektes für erforderlich hält.

3.    Baukosten-Controlling
Der Bau hat kein technisches und kaufmännisches Controlling und Risikomanagement aufgebaut, um etwaige technische, baubetriebliche, wirtschaftliche und rechtliche Risiken frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu definieren. Die Bauleitung hat auch aktiv zusammen mit den Projektbeteiligten die Unterlagen für die Lenkungskreise abgestimmt, damit kritische Themen für die Sitzungen mit der Geschäftsführung abgemildert wurden.

4.    Generalplaner xxx
Entgegen der Absprache werden bis zum heutigen Tage vergaberechtswidrig Fach und Objektplaner beauftragt, obwohl viele diese Leistungen vergaberechtskonform über den Generalplaner beauftragt werden hätten können. Dies würde zwar zu etwas längeren Planungszyklen führen, aber zu einer abgestimmteren Planung führen.

5.    Nachtragsprüfung
Die Geschäftsführung hat in 2016 ein XXXX Gutachten zur AVL- und Nachtragsprüfung erstellen lassen, welches nachgewiesen hat, dass der definierte Prozess akzeptabel ist, dieses aber nicht eingehalten wird. Auch nach 3 monatiger Forderung der Korrektur der Vorgehensweise, zeigte die Nachprüfung noch keine Korrektur der Vorgehensweise im Bau.

6.    Nachtragsverhandlungen xxx
Die Bauleitung wollte in Nachtragsverhandlungen mit der Firma XXXX 30 Mio € zahlen, obwohl eine Begründung fehlte und kein Zeitdruck existiert. Prüfungen durch xxx zeigten, dass eine derartige Höhe nicht gerechtfertigt wäre und ein Vergleichsangebot in Höhe von ca. 10 Mio € wurde der Firma XXXX vorgelegt. Im Bau herrscht die Meinung weiterhin vor, dass man auf die Forderungen der Firmen eingehen muss, um sie zu motivieren weiter zu arbeiten, auch wenn Forderungen nicht sauber begründet sind.

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