War die Spitzenpersonalie zu teuer? : BER spart sich neuen Technikchef

Die Eröffnung am 31. Oktober klappt, versichern die Verantwortlichen. Auch der Feueralarm funktioniert inzwischen.

Ab Oktober soll der Betrieb am BER richtig losgehen. 
Ab Oktober soll der Betrieb am BER richtig losgehen. Foto: Patrick Pleul/dpa

Anflug gecancelt – die geplante Bestellung eines neuen Technikchefs am künftigen Hauptstadt-Airport wurde überraschend abgeblasen. Die Vorlage sei nicht aufgerufen worden, der Aufsichtsrat habe sich daher „mit dem Thema nicht befasst“, sagte Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider am Freitag nach der Sitzung des Kontrollgremiums. Und zwar auf einer erneut lediglich via Livestream übertragenen Pressekonferenz des noch Jahre auf öffentliche Gelder angewiesen Unternehmens. 

Medien konnten nur per Chatfunktion Fragen übermitteln, aber keine Fragen direkt stellen. Zwölf Fragen wurden auf diesem Weg unterschlagen und von den Verantwortlichen nicht beantwortet, darunter auch einige zu der geplatzten Personalie.

Wie der Tagesspiegel publik gemacht hatte, sollte der Strabag-Manager Christoph Schäfer für ein Jahressalär von 230.000 Euro zum neuen Technikchef der Flughafengesellschaft Berlins, Brandenburgs und des Bundes (FBB) bestellt werden. Alles schien klar. 

Der sechste FBB-Technikchef seit 2012 sollte sich vor allem um das Erweiterungsprogramm am neuen Airport kümmern. „Der Aufsichtsrat hat zur Kenntnis genommen, dass wir davon im Moment absehen“, sagte Bretschneider. „Wir wollen erproben, wie es so geht ohne, und zu gegebener Zeit, wenn die Investitionen näher sind, das Thema wieder aufgreifen“. Das war´s.

Am Abend reichte die FBB eine Erklärung nach. „Aufgrund des Sparprogramm im Bereich von Investitionen und Personal stehen alle Neueinstellungen auf dem Prüfstand“, hieß es. „Deshalb wird auch die vakante Leitung von Bau und Technik nicht neu besetzt.“ Im Vorfeld hatte es dem Vernehmen nach auf der Arbeitnehmerseite im paritätisch besetzten FBBAufsichtsrat Unmut über die teure Personalie gegeben, da in der FBB wegen der Coronakrise ein Sparkurs gefahren wird, die Hälfte der 2<TH>100 Mitarbeiter in Kurzarbeit ist und ein Einstellungsstopp gilt.

Offen, wie es mit dem Personal weitergeht

Nach Tagesspiegel-Informationen will die FBB 60 Millionen Euro einsparen, um die von den Eigentümern bewilligte Coronahilfe für 2020 nicht in der Maximalhöhe von 300 Millionen Euro abzurufen. Zudem läuft es darauf hinaus, dass das tiefrote Zahlen schreibende Unternehmen bis 2024 insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro von der öffentlichen Hand benötigt. Laut FBB–Sprecher wolle man Kosten beim Personal „sozialverträglich“ auch durch „Einsparungen bei Gehältern von Geschäftsführung und leitenden Angestellten“, durch Fluktuation und mit Hilfe von Kurzarbeit erreichen. Ob das reicht, blieb offen. „Wenn wir weniger Verkehr realisieren, brauchen wir auch weniger Menschen“, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup.

Flughafenchef Engelbert Lütke-Daldrup.
Flughafenchef Engelbert Lütke-Daldrup.Foto:Bernd Settnik/dpa

Dazu passte die Nachricht vom Tage, dass der Bodendienstleister Wisag die Hälfte seines Personals an den bestehenden Flughäfen Tegel und Schönefeld abbauen will. Zuvor hatte bereits Easyjet, die größte Airline in der Hauptstadtregion, die Halbierung ihrer Flotte und des Personals am Standort Berlin angekündigt. Beim laufenden Probebetrieb im BER-Terminal arbeite die Wisag wie zwei weitere Bodendienstleister ordentlich mit, sagte Lütke Daldrup zu den Wisag-Plänen. „Die Inbetriebnahme ist davon nicht betroffen“, sagte der Flughafenchef. „Alle müssen sparen.“ Alle müssten damit umgehen, dass an den Flughäfen weniger Geld verdient werden könne.

[Für Tegel? Gegen Tegel? In unserem Leute-Newslettern aus Reinickendorf berichten wir wöchentlich darüber, was den Bezirk bewegt. Die Newsletter können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Der Spardruck überschattete am Freitag die positive Nachricht, dass es am neuen Airport draußen in Schönefeld so gut wie nie zuvor aussieht – 14 Jahre nach Baubeginn soll der Flughafen nun tatsächlich in Betrieb gehen. „Wir werden gut und sicher am 31.Oktober eröffnen“, versicherte Bretschneider. Das bestätigt nach den Aussagen der Verantwortlichen auch der Komparsen–Probebetrieb, der diese Woche mit einigen hundert freiwilligen BER-Testern begonnen hat und bisher ohne gravierende Probleme verläuft. So freute sich Lütke Daldrup über den erfolgreichen „ungeplanten Test“ vom Donnerstag, wo das Terminal mitten im Probebetrieb nach einem Feueralarm evakuiert worden war. In einem Putzraum habe jemand eine Zigarette geraucht, sagte Lütke Daldrup. „Es passierte, was passieren muss.“

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen Tagesspiegel Plus 30 Tage gratis!