Warum riecht man den Brandgeruch bis nach Berlin? : „Als wenn Sie einen Deckel auf den Topf machen“

Bis nach Berlin, Dresden und Leipzig ist der Rauch von einem Waldbrand in Mecklenburg-Vorpommern wahrnehmbar. Grund ist eine „Inversionswetterlage“.

Rauch ist über dem Wald direkt neben der evakuierten Ortschaft Alt Jabel zu sehen.
Rauch ist über dem Wald direkt neben der evakuierten Ortschaft Alt Jabel zu sehen.Foto: Bodo Marks/dpa

Auch wenn es viele erst nicht glauben wollten – der Brandgeruch, den am Montagvormittag viele Berliner und Brandenburger wahrnahmen, kam diesmal weder von Jüterbog noch aus der Lieberoser Heide und schon gar nicht aus Berlin-Marzahn, sondern aus dem „hohen Norden“. Ein Waldbrand bei Lübtheen im mecklenburgischen Landkreis Ludwigslust-Parchim war am Sonntagabend erneut aufgeflammt.

Die Stadt liegt rund 180 Kilometer vom Berliner Zentrum entfernt.

„Dort steht ein riesige Fläche von über 400 Hektar in Flammen“, sagte der brandenburgische Waldbrand-Beauftragte Raimund Engel am Montagmittag: „Es gibt eine starke Rauchentwicklung, der Wind hat aufgefrischt, er weht aus Nordwest und so dringt der Geruch bis Berlin und Brandenburg. Vor allem, weil wir zusätzlich eine sogenannte Inversionswetterlage haben.“

Das bestätigten auch Wetter-Experten und von Feuerwehrleute im ganzen Land. Eine Inversionswetterlage ist durch eine Umkehr (lateinisch: inversio) der normalen Temperaturunterschiede geprägt, das heißt, die oberen Luftschichten sind wärmer als die unteren. „Das ist, als wenn Sie einen Deckel auf den Topf machen“, sagt ein Sprecher der Leitstelle Lausitz: „Dann kann der Rauch nicht nach oben steigen und verteilt sich im gesamten Topf. Es ist dann nicht ungewöhnlich, dass bei einem solch großen Brand auch 300 Kilometer entfernt noch Geruchsbelästigungen entstehen.“

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Auch in der Lausitz, ja sogar im sächsischen Dresden und Leipzig erhielten die Feuerwehren Anrufe von Bürgern, die den Rauch aus Mecklenburg wahrnahmen. „Wir fragen inzwischen genau nach, weil wir schon einige Male umsonst ausgerückt sind“, sagte ein Sprecher: „Aber besser einmal zu viel als einmal zu wenig gemeldet.“

Der auffrischende Wind habe am Montag ein übriges getan, um den Brandgeruch zu verteilen, erklärt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD): „Aus Dänemark kam eine Kaltfront über die Nordsee, die nach Südosten zog und südlich von Berlin sogar Windstärke 7 erreichte“.

Entwarnung in Sachen Brandgefahr sei aber vor allem im Osten nicht in Sicht: „Die Temperaturen gehen zwar etwas zurück, aber bis Ende dieser Woche ist kein Regen in Sicht.“ Wie es danach weitergehe, könne man derzeit noch nicht genau sagen.

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