Was Jugendliche wählen : Grüne siegen bei U18-Europawahl in Berlin

Bei der U18-Europawahl gewinnen die Grünen in Berlin fast überall – mit kuriosen Ausnahmen. 240 Wahllokale öffneten in der Stadt für das Projekt.

Die Grünen um ihre Parteivorsitzenden Robert Habeck und Annalena Baerbock kommen gut bei jungen Berlinern an.
Die Grünen um ihre Parteivorsitzenden Robert Habeck und Annalena Baerbock kommen gut bei jungen Berlinern an.Foto: picture alliance/dpa

Jetzt haben die Grünen sogar die Marke von 30 Prozent überschritten – die U18-Wahl macht’s möglich. Neun Tage vor der echten Europawahl waren Kinder und Jugendliche am Freitag aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. In Berlin waren rund 240 Wahllokale, beispielsweise an Schulen, geöffnet. Nach dem von den Veranstaltern veröffentlichten Ergebnis kommen die Grünen in Berlin auf 30,9 Prozent.

Mit großem Abstand folgen SPD (16,9), Linke (11,8) und CDU (9,5). Die AfD liegt mit fünf Prozent auf dem Niveau von Tierschutzpartei und der Satire-„Partei“, die FDP noch dahinter.

Mit zusammen 12 Prozent schneiden die Dutzenden sonstigen Parteien bei Kindern und Jugendlichen relativ stark ab. Getragen wird die U18-Initiative von Kinderhilfswerk, dem Bundes- und Landesjugendringen, vielen Jugendverbänden und dem Berliner U18-Netzwerk.

Interessant sind die Ergebnisse aus den einzelnen Bezirken. So triumphieren die Grünen in Steglitz-Zehlendorf mit gut 43 Prozent Möchtegern-Jungwählern, während sie in ihrer vermeintlichen Hochburg Friedrichshain-Kreuzberg nur auf 26 Prozent kommen – gefolgt von SPD und Linken. Ein Ausreißer ist Mitte, wo die SPD ein Traumergebnis von 30 Prozent holt und die Grünen nur auf 15 Prozent kommen.

Ein "amtliches" Ergebnis kommt erst am Montag

Allerdings zeigt die Statistik online unter www.u18.org nicht die Zahl der Wähler und Lokale im Bezirk. Bei den anderen Parteien sind die Ausschläge in den Bezirken überwiegend gering. Die AfD ist in Marzahn-Hellersdorf und Reinickendorf mit 8 bzw. 7 Prozent relativ stark, während sie beispielsweise in Pankow mit weniger als 3 Prozent im Block der Kleinparteien verschwindet.

Bundesweit hatten laut RBB mehr als 1000 Lokale für die U18-Wahl geöffnet, doppelt so viele wie vor der Europawahl 2014. Inzwischen beteiligen sich auch andere EU-Staaten an dem in Deutschland gestarteten Projekt. Ein „amtliches“ Ergebnis soll erst am Montag vorliegen, aber eine stabile Hochrechnung lag bereits am Sonnabend vor.

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Demnach führen die Grünen auch bundesweit mit 28,8 Prozent, gefolgt von SPD (15) und CDU (12,7). Die AfD schneidet mit 6,8 Prozent bei den jungen Leuten bundesweit schlecht ab. Das gilt allerdings nicht für die ostdeutschen Länder: In Thüringen liegen die Rechtspopulisten mit 18,6 Prozent vorn, in Brandenburg und Sachsen – wo in diesem Jahr Landtage gewählt werden – sind sie mit jeweils rund 14 Prozent Zweitstärkste hinter den Grünen. In Mecklenburg-Vorpommern ist die AfD schwächer. Dafür kommt die Neonazitruppe NPD dort auf fast fünf Prozent.

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