Was macht die FAMILIE? : Das Klima retten

Wie eine Mutter die Stadt erlebt Daniela Martens ist ein Angsthase, seit sie Mutter eines Sohnes ist.

Mein Sohn findet, dass ich ein Angsthase bin. Da hat er wahrscheinlich Recht. Und ich habe ihm erklärt, dass das erst so ist, seit ich eine Mama bin. Damit ich besser auf ihn aufpassen kann. Wenn ich keine Angst davor hätte, dass er vor ein Auto läuft, oder dass in der Küche kochendes Wasser seine Haut verbrennt, wären wir vielleicht nicht vorsichtig genug.

Ich denke jetzt bei allem, was ich tue, daran, was das für Konsequenzen für meinen Sohn hat. Bevor ich Mutter wurde, hab’ ich solchen Quatsch gemacht wie Base Flying von einem Hochhaus, bin mit einem Kunstpiloten mitgeflogen, der in Loopings durch die Luft sauste (was tat ich nicht alles, um eine schöne Ich-Reportage zu schreiben). Ich bin ohne Helm Fahrrad gefahren. Jetzt bin ich vorsichtig, weil ich weiß, dass es schlimm für ihn wäre, wenn ich nicht mehr da wäre.

Früher habe ich nach Lust und Laune eingekauft, ohne über Plastikverpackungen und die CO2-Bilanz jedes einzelnen Lebensmittels nachzudenken. Und ich bin einfach so in den Urlaub und auf Pressereisen geflogen.

Damals habe ich mir auch noch keine Gedanken über den Klimawandel gemacht. Mit der Schwangerschaft kam die Angst davor, dass dieser Planet irgendwann für die nächste oder übernächste Generation nicht mehr bewohnbar sein könnte. Und in letzter Zeit häufen sich die Berichte der Wissenschaftler, dass es unabsehbare Folgen haben könnte, wenn der Permafrostboden taut und das ganze Methan in die Atmosphäre lässt, das dort gespeichert ist. Sie sprechen von Kettenreaktionen. Und währendessen sieht es nicht so als, als würde der Kohleabbau noch rechtzeitig gestoppt, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Niemand bremst die Autohersteller. Immer mehr CO2 und andere klimaschädliche Gase gelangen weiterhin in die Atmosphäre. Oft ist die Rede davon, es könne eine „Heißzeit“ geben.

Mein Sohn weiß mit fünf schon, warum wir nicht mit dem Flugzug in den Urlaub fliegen, möglichst wenig Auto fahren, warum ich darauf achte, wenig Produkte mit Plastikverpackungen zu kaufen. Warum es im Winter keine Himbeeren und Erdbeeren gibt. Ich habe ihm die Sache möglichst behutsam erklärt: dass unsere Erde wärmer wird, dass man aber noch etwas dagegen unternehmen kann.

Als ich sah, dass eine Kundgebung in Sachen Klimawandel vor dem Kanzleramt stattfinden würde, fand ich, dass wir hingehen müssten. Mein Sohn bastelte mit mir begeistert ein großes Pappschild. „Unsere Kinder sollen nicht in einer Heißzeit leben“, schrieb ich darauf, und mein Sohn verzierte es mit vielen eindrucksvollen Flammen. Als wir beim Bundeskanzleramt ankamen, war mein Sohn zunächst fasziniert und stellte viele Fragen über die Kanzlerin.

Wir setzten uns ins Gras, hielten unser Schild hoch, und dann begann die erste Rednerin. Sie sprach von den beängstigenden Brandenburger Waldbränden, deren Rauchschwaden bis nach Berlin gezogen waren. Von all den anderen verheerenden Folgen des Klimawandels, die man schon überall auf der Welt sehen kann, und davon, dass es schon fast zu spät sei und kaum jemand etwas unternähme. Meine Augen wurden feucht. Und plötzlich merkte ich, dass mein Sohne weinte. „Ich hab’ solche Angst“, sagte er. Ich sagte nicht, dass es mir genauso ging. Ich versuchte, ihn zu beruhigen. Wir drückten unser Schild einem Vater und seinem etwa sechsjährigen Sohn in die Hand, die etwas später gekommen waren, zu spät für die beängstigende Rede. Und dann machten wir eine schöne Spielplatztour, die uns auf andere Gedanken brachte. Die Tränen waren kurze Zeit später schon wieder getrocknet. Und ich frage mich seitdem, ob die Sache mit der Kundgebung eigentlich eine gute Idee war.

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