Was macht die FAMILIE? : Expedition ins Naturcamp

Die Tochter unserer Redakteurin ist im Naturcamp gewesen. Holzhütten, Zecken und Kälte schreckten sie nicht ab. Ein Alptraum für die Mutter.

Die Tochter unserer Redakteurin hat mit ihrer Hortgruppe, ähnlich wie die Kinder auf dem Foto, eine Woche in der Natur verbracht - die Mutter war in Sorge.
Die Tochter unserer Redakteurin hat mit ihrer Hortgruppe, ähnlich wie die Kinder auf dem Foto, eine Woche in der Natur verbracht -...Foto: dpa

Ich bin keine „Helikoptermutter“ – dachte ich. Meine Tochter übernachtet häufig bei der Oma und bei Freundinnen und beschäftigt sich auch sonst allein, ohne dass ich ständig nach ihr schaue. Kürzlich aber war ich unsicher. Geistig abwesend hatte ich einer Hortreise meiner Noch-Siebenjährigen zugestimmt in der Annahme, es gehe in irgendein Schullandheim. Das Erwachen kam beim „Reise-Elternabend“. Die aus 30 Punkten bestehende Packliste sah aus wie die Anleitung für eine Outdoor-Expedition: Spezielle Isomatte, warmer Schlafsack, lange Unterwäsche, Essgeschirr.

„Wussten Sie das nicht? Die Kinder fahren ins Naturcamp“, klärte mich ein Vater auf. Naturcamp? Ich erfuhr, dass die Kinder in unbeheizten Holzhütten (Spätherbst!) schlafen, gekocht wird draußen am offenen Feuer. Die anderen Eltern waren begeistert. Ich nicht. Nun bin ich auch nicht der Funktionskleidungstyp. Ich habe es gern warm, gemütlich und hygienisch. Früher war ich oft in der Welt unterwegs, allerdings als „Backpackerin deluxe“: Geschlafen habe ich in Hotels, im Einzelzimmer. Geräusche und Gerüche fremder Menschen in klapprigen Doppelstockbetten halte ich nicht aus.

Der Fahrer des Reisebusses saß mit Hausschuhen am Steuer

„Gehen Sie davon aus, dass die Kinder die ganze Woche dieselben Klamotten tragen und darin schlafen werden“, sagte der Erzieher. Mögliche Holzsplitter oder Zecken würden die Betreuer entfernen. Ach, und wegen der Kälte sollten wir uns keine Gedanken machen: „Ein gesunder Mensch wird nachts nicht erfrieren, sondern vorher wach“, sagte er. Meine Panik wurde auch nicht besser, als herauskam, dass das Camp so weit draußen ist, dass weder Handy noch Internet funktionieren. Mein Mädchen juchzte. Es gab kein Zurück. Am Abreisetag stand ich zwischen einer Schar aufgekratzter Kinder und Eltern und wartete auf den Bus. Genug Zeit, um mich an meine alten Artikel in dieser Zeitung zu erinnern, mit Überschriften wie: „Bremsen kaputt, Reifen defekt: Polizei stoppte Schulreisebus.“ Als alle später ihre Sachen einluden, fotografierte ich als Erstes das Profil der Reifen. Dann das Logo mit der Firmenadresse. Anschließend ging ich zum Fahrer. Er saß mit Hausschuhen (!) auf seinem Sitz. „Guten Tag. Zum Fahren ziehen Sie dann gleich aber noch andere Schuhe an, oder?“, stellte ich den Mann zur Rede. Er habe alles im Griff, sagte er. Um es kurz zu machen: Die Kinder kamen am Ende gesund und glücklich zurück.

Übrigens: Bereits kurz nach der Abfahrt war die erste Eltern-Nachricht in der WhatsApp-Gruppe eingegangen: „Hat schon jemand was von den Kindern gehört? Müssten sie nicht längst angekommen sein?“ Von mir war sie nicht.

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Wer nicht ins Naturcamp fahren kann, findet Abenteuer im Buch von Timo Parvela: „Ella und das Abenteuer im Wald“, Hanser Verlag, 10 Euro, ab 8 Jahren.

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