Berlin : Was Stasi und Rote Kapelle trennt Lichtenberg diskutiert über eine Denkmal-Idee

Werner van Bebber

Mit dem Gedenken ist es nicht einfach in Lichtenberg. Der Bezirk ist stasibelastet. Die Gedenkstätte Hohenschönhausen und die Normannenstraße erinnern an das Wirken des Ministeriums für Staatssicherheit. Doch so mancher ehemalige Stasimann agitiert dagegen. Vor fast einem Jahr gab es in der Bezirksverordnetenversammlung Streit um Hinweistafeln im öffentlichen Raum, die den Sperrbezirk um das Stasi-Untersuchungsgefängnis markierten. Jetzt überlegen einige PDS-Politiker, in Lichtenberg ein Denkmal aufzustellen, das sich auf dem Gelände des Schulungszentrums der Hauptverwaltung Aufklärung in Gosen befunden hat.

Bürgermeisterin Christina Emmrich weiß, wie schnell in Lichtenberg Geschichtsdebatten sehr aktuellen Ärger machen können. Deshalb lud der Bezirk am Montagabend erst mal zu einem „Fachgespräch“ zum Umgang mit der Skulptur. Dass das Werk des Bildhauers Gerhard Rommel überhaupt in Lichtenberg angekommen ist, liegt an der PDS-Bundestagsabgeordneten Gesine Lötzsch. Sie sei von Leuten angesprochen worden, die wussten, dass das mehrteilige Werk in einem Schuppen eingelagert worden sei, sagt Gesine Lötzsch. Sie habe das Kunstwerk zunächst sichern wollen. Weil im Bezirk Lichtenberg einige Straßennamen an die Rote Kapelle erinnerten – die Schulze-Boysen-Straße beispielsweise –, sei der Gedanke entstanden, mit dem Rommel-Denkmal an die Rote Kapelle zu erinnern. Das sei nun zu diskutieren.

Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte auf dem Gelände des Stasi-Untersuchungsgefängnisses Hohenschönhausen, hält nichts davon. Er befürchtet – wie schon im Streit mit ehemaligen MfS-Mitarbeitern vor einem Jahr –, hier solle die Stasi rehabilitiert werden. Die Stasiopfer-Gedenkstätten seien zu dem Fachgespräch nicht eingeladen worden. Außerdem solle der Eindruck erweckt werden, die Rote Kapelle sei das Vorbild des Staatssicherheitsdienstes gewesen.

Ob das Denkmal überhaupt aufgestellt wird, ist offen. Bei dem Fachgespräch war auch der Historiker Johannes Tuchel von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand eingeladen – ein Fachmann für die Forschung über die Rote Kapelle. Tuchel erläuterte den Politikern, dass das Denkmal vom Gosener Stasi-Gelände nicht als Erinnerung an die Widerstandsgruppe Rote Kapelle zu begreifen sei. Gedacht sei es als „Behauptung einer nachrichtendienstlichen Tradition“ zwischen Roter Kapelle und Stasi. Die aber habe es nicht gegeben. Emmrich und Lötzsch jedenfalls waren nach dem Fachgespräch nicht entschlossen, das Denkmal aufzustellen.

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