Wegen extremer Dürre : Schlösserparks in Berlin und Brandenburg vertrocknen

Der Gartendirektor warnt vor langfristigen Dürrefolgen für das Weltkulturerbe. Klimaforscher befürchten Bedingungen wie in Toulouse.

Düstere Teiche (Geschützte Feuchtgebiete Bornstedt). Der Teich ist weg, das Areal ist vertrocknet.
Düstere Teiche (Geschützte Feuchtgebiete Bornstedt). Der Teich ist weg, das Areal ist vertrocknet.Foto: Manfred Thomas

Kein Wasser in Sicht: Anders als in vergangenen trockenen Jahren sind die Düsteren Teiche – gelegen nordwestlich vom Park Sanssouci im Katharinenholz – weiterhin komplett ausgetrocknet. Das ausgedörrte Feuchtbiotop ist eine der sichtbarsten Folgen der ungewöhnlichen Trockenheit in diesem Jahr. Denn noch nie gab es so wenig Regen.

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten schlägt jetzt Alarm . „Die Auswirkungen des Klimawandels behindern die fachgerechte Pflege und Präsentation unserer Gärten immer mehr“, sagte Gartendirektor Michael Rhode. Die durch Wetterextreme verursachten Probleme der vergangenen Jahre – etwa das Orkantief Xavier im Oktober 2017 – hätten sich mit der Dürre erheblich verstärkt, so Rhode: „Schon heute sind bei uns vertrocknete Äste, kürzere Austriebe und völlig abgestorbene Gehölze zu sehen.“ So habe man schon durch Xavier 500 Bäume verloren, bei weiteren 600 Bäumen gab es erhebliche Kronenschäden. Das habe man mit Nachpflanzungen, für die der Bund eine Sonderzahlung von 250.000 Euro bewilligt hat, reparieren wollen. „Doch dann kam die Dürre.“

Unsere Gärtner waren im Sommer wochenlang mit dem täglichen Wässern der Nachpflanzungen und besonders sensiblen Gehölze und Blumenpartien beschäftigt.“ Andere Aufgaben wie der Schnitt von Hecken oder Formbäumchen, die Wegepflege oder andere Bodenarbeiten seien daher zu kurz gekommen.

Das alles hat Folgen. Rhode sagte, die Böden seien sehr tief ausgetrocknet. „Das hat schon jetzt sichtbare Auswirkungen – wir befürchten, dass die Wurzeln der Gehölze das Grundwasser kaum noch erreichen und vertrocknen.“ Das bestätigt die Potsdamer Klimastation, nach deren Messungen das verfügbare Bodenwasser in bis zu einem Meter Tiefe unter einem Kiefernbestand bei noch knapp zehn Litern pro Quadratmeter liegt – in normalen Zeiten sind es fast 100 Liter. „Das ganze Ausmaß der Dürrefolgen 2018 werden wir erst im Frühjahr 2019 beurteilen können, zum Teil sogar noch später, da Bäume und Gehölze immer noch eine starke Widerstandskraft haben“, sagt Rhode.

„Wir haben in diesem Sommer eine Zeitreise nach 2070 gemacht“

Schon bislang lag das Pflegedefizit in den Gärten bei rund 4,5 Millionen Euro pro Jahr, es fehlen mehr als 40 Gärtner. Der Gartendirektor sieht dringenden Bedarf für „eine personelle und finanzielle Aufstockung, um den Bestand künftig fachgerecht präsentieren zu können“.

So könne man aus Denkmalschutzgründen auch nicht einfach trockenresistentere Robinien anstelle von Rotbuchen pflanzen – anders als dies etwa im städtischen Raum möglich wäre. Erschwerend hinzu komme die Bekämpfung von Schädlingen wie dem ostasiatischen Buchsbaumzünsler, der sich durch die wärmeren Temperaturen nun auch in Mitteleuropa heimisch fühlt.

Als Gegenmaßnahme prüfe man, auch mit wissenschaftlicher Hilfe, wie sich etwa neue Pflanzungen optimieren lassen. Dabei habe sich gezeigt, dass Gehölze aus eigener Aussaat widerstandsfähiger sind als Zukäufe. Daher wolle man einheimische Parkgehölze wieder in eigenen Revierbaumschulen aufziehen.

Das extrem trockene Jahr 2018 stellt für Fritz Reusswig vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung einen Blick in die Zukunft dar: „Wir haben in diesem Sommer eine Zeitreise nach 2070 gemacht“, sagte Reusswig dem Tagesspiegel. Der Forscher und seine Kollegen haben mit Hilfe von Computermodellen berechnet, wie sich der menschengemachte Klimawandel langfristig auch die Hauptstadtregion auswirken könnte. Das Ergebnis: Wenn weltweit weiter in hohem Maß Kohlendioxid ausgestoßen wird, ändert sich das Wetterprofil deutlich. „Dann wird es wie heute in Toulouse in Süd-Frankreich.“ Das heißt: Bis zu vier Grad höhere Durchschnittstemperaturen, mehr Sonnenschein, weniger Tage mit Niederschlägen – aber wenn es regnet, dann stärker. Dieser Trend lässt sich schon jetzt beobachten. Beispiel September – da wurden im ganzen Monat knapp 20 Liter Regen pro Quadratmeter registriert, 15 Liter davon fielen allein am 23. September.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!