Weihnachten in Berlin : "Un' ick bau Pergamiden"

Mit Berliner Weihnachtspyramiden verdienten sich arme Leute im 19. Jahrhundert ein Zubrot. Jetzt gibt es eine moderne Version.

Aus alt mach neu. Diese Weihnachtspyramide interpretiert einen traditionellen Berliner Brauch neu.
Aus alt mach neu. Diese Weihnachtspyramide interpretiert einen traditionellen Berliner Brauch neu.Foto: Promo

Dem Eckensteher Nante, einem Berliner Original in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, werden folgende vorweihnachtliche Verse zugeschrieben: „Am Weihnachtsfeste hab’ ick Ruh’, / von wegen meiner Ollen; / sie wäscht und plät’t und spült dazu, / und ick helf’ manchmal rollen. / Und kommt der Christmarkt erscht heran, / giebt’s allgemeinen Frieden; / sie macht Rosinenmänner dann  / un’ ick bau Pergamiden.“ Viel Berliner Sozial- und Kulturgeschichte steckt in diesen schlichten Reimen, besonders im berlinerisch verhunzten Wort „Pergamiden“. Der mehr humor- als sprachbegabte Dienstmann mit der polizeilichen Konzessionsnummer 22 meinte damit Weihnachtspyramiden, wie sie damals in Berlin als Arme-Leute-Weihnachtsbaum üblich waren. An sich eine aus dem Erzgebirge importierte Tradition, dort ist solch eine Pyramide ein mit Schnitzereien reich geschmückter Adventsschmuck. In Berlin wurde sie oft in Heimarbeit als zusätzliche Erwerbsquelle von bedürftigen Familien gefertigt und war entsprechend ärmlich ausgestattet: eine hölzerne Grundplatte, vier spitz zusammenlaufende Streben mit Kerzenhaltern, oben mal mit, mal ohne Flügelrad, verziert mit Moos, Tannengrün und Papierstreifen. Eine in dieser Kargkeit weitgehend vergessene Tradition, irgendwann konnten sich auch Arme einen Baum leisten.

Im 19. Jahrhundert war die Berliner Weihnachtspyramide eine Arme-Leute-Christbaum.
Im 19. Jahrhundert war die Berliner Weihnachtspyramide eine Arme-Leute-Christbaum.Foto: Be.bra Verlag/promo

Erinnert hat daran die Autorin Kaija Voss in ihrem schon vor Jahren erstmals erschienenen historischen Streifzug „Berliner Weihnacht“ (be.bra verlag, 160 Seiten, 74 Abbildungen, 14,95 Euro). Und nun inspirierten die schlichten Holzgestelle aus dem 19. Jahrhundert die Berliner Produktdesignerin Frieda Bellmann und ihren Vater Götz Bellmann zu einer Neuinterpretation der Berliner Pyramide. Der Architekt hatte in einer Zeitschrift von 1907 eine Geschichte über den Alt-Berliner Weihnachtsbrauch entdeckt, und so entwickelten Tochter und Vater gemeinsam die Idee zu einer modernen Variation des historischen Weihnachtsschmucks, als „Brückenschlag“ zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

In ihren Berliner Ateliers wurde ein Prototyp entworfen, den sie im Erzgebirge fertigen ließen und in einer Ausstellung mit großer Resonanz zeigten. Bei einer einzigen Pyramide konnte es daher nicht bleiben, und so wurde bei einer Drechslerei in Seiffen, Erzgebirge, eine limitierte Edition von 250 Stück in Auftrag gegeben, die sich bereits sehr zufriedenstellend verkauft, auch wenn eine Pyramide mit 149 Euro nicht ganz billig ist. Als Grundplatte dient eine Schale, die man nach Belieben dekorieren kann, als Kerzenhalter wurden goldfarbene Elektrofassungen gewählt. Bis auf dieses Detail ist die lichtgrau lackierte, 30 Zentimeter hohe Pyramide aus Holz hergestellt, verwendet wurden Buche, Birke und finnisches Sperrholz. 40 Puppenkerzen werden mitgeliefert.

Informationen und Bestellungen unter www.berlinerpyramide.de

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