Werbung in der Stadt : BVG schreibt Werbeflächen an Haltestellen neu aus

Die BVG verdient mit den Werbeflächen an rund 4500 Wartehäuschen Geld. Eine neue Ausschreibung umfasst auch die Wartung und Reinigung der Anlagen. Kritik daran wird aus der CDU laut.

Bislang war die Firma Wall für die Werbung in BVG-Haltestellen zuständig, ebenso für die Reinigung der Anlagen. Das könnte sich jetzt ändern.
Bislang war die Firma Wall für die Werbung in BVG-Haltestellen zuständig, ebenso für die Reinigung der Anlagen. Das könnte sich...Foto: imago/Jürgen Heinrich

Auch mit Haltestellen kann man Geld verdienen. Die BVG hat die Nutzung der Werbeflächen an rund 4500 Berliner Wartehäuschen ausgeschrieben – verbunden mit dem Beseitigen von Glasschäden sowie dem Reinigen der Anlagen. Bisher ist dafür im Paket die Werbefirma Wall zuständig. Wie viel Geld dabei bei wem ankam, ist ein Betriebsgeheimnis beider Unternehmen. Und wie sich bei einem Erfolg das Volksbegehren „Berlin Werbefrei“ auswirken kann, ist völlig offen.

Losvergabe statt Paket

Dass der Auftrag jetzt in zwei Lose – Werben und Beseitigen von Glasschäden sowie das Reinigen – ausgeschrieben worden ist, ist für den CDU-Abgeordneten Christian Gräff der falsche Weg. Er befürchtet, dass sich die Aufenthaltsqualität in den Wartehallen verschlechtern könne, wenn beim Reinigen eine Firma den Zuschlag erhalte, die es damit nicht so genau nimmt. Die BVG sei mit Wall bisher sehr zufrieden gewesen, sagte Sprecherin Petra Reetz.

Das Aufteilen des Auftrages in zwei Lose sei das Ergebnis einer Markterkundung, die die BVG zuvor veranlasst hatte, teilte Staatssekretär Henner Bunde von der Senatswirtschaftsverwaltung auf eine Anfrage von Gräff mit. Sowohl die Markterkundung als auch die Erfahrung der BVG in der Vergangenheit habe zu diesem Verfahren geführt. Reetz verwies darauf, dass die Losvergabe nicht limitiert sei; ein Bewerber könne bei einem guten Angebot auch den Zuschlag für beide Lose erhalten.

Die BVG kann die Werberechte und -pflichten für die Wartehallen selbst vergeben, weil sie mit dem Land einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen hat. Sie darf demnach die Flächen selbst vermarkten oder einen Dritten damit beauftragen. Von den erzielten Einnahmen sollen die Aufwendungen für die Wartehallen finanziert werden.

Fällt die Wahl erneut auf Wall?

Da die meisten Häuschen seiner Ansicht nach komplett erneuert werden müssen, fordert Gräff, die Neuen „Smart-City“-tauglich auszustatten; etwa mit W-Lan. Vorgaben dafür gebe es nicht, sagte Reetz. Im übrigen sei es schwierig, hochwertige Technik in den Wartehallen zu installieren. Eine solche Anlage am Potsdamer Platz sei so häufig mutwillig beschädigt worden, dass Wall sie wieder ausgebaut habe.

Zudem bezweifelt Gräff, dass der Zeitplan zu halten ist. Der Zuschlag soll im Dezember 2018 erfolgen und die Verträge dann zum 1. Januar 1019 in Kraft treten. Das würde bedeuten, folgert Gräff, dass nur ein Unternehmen in Frage komme.

Walls Start als Werbepartner und Wartehäuschenbauer in den 1980er Jahren war umstritten. Nachdem Wall den Zuschlag erhalten hatte, ernannte man den kurz vorher ausgeschiedenen BVG-Direktor Joachim Piefke, der die Vergabe mit eingefädelt hatte, zum Berater des Unternehmens. Nach Kritik verzichtete Piefke auf den Job.

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