Wetter in Berlin : So stehen die Chancen auf weiße Weihnachten

Gibt es Schnee zu Heiligabend? Meteorologe Jörg Riemann erklärt, wie Luftströme, Temperatur und Feuchtigkeit da mitspielen müssten.

Die Friedrichstraße am 20. Dezember 2010. Damals fielen in einer Nacht 15cm Schnee.
Die Friedrichstraße am 20. Dezember 2010. Damals fielen in einer Nacht 15cm Schnee.Foto: Kay Nietfeld/dpa

In einer reichlichen Woche ist Heiligabend, und draußen sieht es seit Tagen dunkelgrau aus. Wie groß sind die Chancen für weiße Weihnachten?

Statistisch liegt die Wahrscheinlichkeit ungefähr bei 15 Prozent, denn weiße Weihnachten gibt es in Berlin etwa alle sieben Jahre. Wobei die meteorologische Definition lautet, dass an allen drei Tagen mindestens ein Zentimeter Schnee liegen muss. Das hatten wir zuletzt 2010.

Dann wären wir ja mal wieder dran!

So funktioniert es leider nicht. Zwischen 1986 und 2000 beispielsweise hatten wir in Berlin überhaupt nie weiße Weihnachten. Das war übrigens die größte Lücke in den vergangenen Jahrzehnten.

Chefmeteorologe Jörg Riemann in der „Wettermanufaktur“ in Tempelhof.
Chefmeteorologe Jörg Riemann in der „Wettermanufaktur“ in Tempelhof.Foto: Stefan Jacobs

Und was ist nun mit 2018?
Ausschließen würde ich es noch nicht, zumal sich bis dahin beim Wetter noch viel tun kann. Zwar wird es nächste Woche erst einmal etwas milder, aber die Wettermodelle signalisieren auch schon die Abkühlung, die danach folgen soll. Die käme genau im rechten Moment.

Aber von Kälte allein wird es ja nicht weiß. Wo bekommen wir Schnee her?

Nach dem Lehrbuch müsste entweder ein Atlantiktief bis zum Baltikum ziehen und auf seiner Rückseite kalte feuchte Nordmeerluft via Skandinavien zu uns schaufeln. Die Alternative wäre trockene Kälte, die von Russland zu uns strömt – und hier auf milde, feuchte Mittelmeerluft trifft. Die kühlt dann ab, wobei die Feuchtigkeit kondensiert und Schnee fällt. So wie 2010, als es gar nicht mehr aufhören wollte.

Das war der berühmte Berlin-ist-nicht- Haiti-Winter mit wochenlanger Glätte. Haben sich die Verhältnisse am Ende des Rekordjahres 2018 denn inzwischen wieder so geordnet, wie es im Lehrbuch steht?

Nur teilweise. Das Hoch mit der größten Kälte sitzt momentan über Grönland. Nur ganz allmählich bewegt es sich via Island Richtung Spitzbergen, wo es eher hingehört. Das ist auch für die Arktis wichtig, in der sich endlich wieder neues Meereis bilden könnte.

Das ist schön für die Eisbären und das Weltklima, aber es hilft den Berliner Weihnachtsträumern wenig. Verstehen Sie, warum das Klischee vom tief verschneiten Weihnachtsfest so stark ist?

Es mag daran liegen, dass viele unserer Weihnachtsgeschichten und -bilder in den Jahren vor 1850 entstanden sind, also während der sogenannten Kleinen Eiszeit. Hinzu kommt, dass vom Zweiten Weltkrieg bis in die 1960er-Jahre viele Winter sehr kalt waren. Aus dieser Zeit dürften ältere Leute noch das Bild von weißer Weihnacht im Kopf haben.

Außerdem erinnert man sich an ungewöhnliches Wetter ohnehin viel länger als an dieses graue La-La mit Temperaturen knapp über null Grad, wie wir es zurzeit haben. Aber das ist eben das Normale für diese Jahreszeit. So richtig winterlich wird es hier erfahrungsgemäß erst später, wenn die Luft über Russland und Skandinavien weiter abgekühlt ist. Es ist dort einfach noch ein bisschen zu warm.

Jörg Riemann ist meteorologischer Leiter der in Tempelhof ansässigen „Wettermanufaktur“, die auch den Winterdienst der BSR berät.

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