Angst an verrufenen Orten

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Wie gefährlich ist Berlin? : Ohne Angst durch die Stadt
Meldungen über Gewalttaten verzerren unsere subjektive Wahrnehmung.
Meldungen über Gewalttaten verzerren unsere subjektive Wahrnehmung.Foto: dpa

Angst an verrufenen Orten: Woher kommt die Angst?

Kottbusser Tor, Alexanderplatz, Warschauer Brücke: Manche Orte lösen fast automatisch Angst aus. Angstforscher Borwin Bandelow zufolge wird die Wahrscheinlichkeit, an bestimmten Orten Opfer zu werden, sehr subjektiv eingeschätzt – getrieben durch Berichterstattung über Straftaten. Man kennt die Meldungen und assoziiert etwa mit dem Kottbusser Tor sofort Verbrechen. Im Falle des Alexanderplatzes war es vor allem der Todesfall von Jonny K. 2012, der den Platz zu einem bekannten Angst-Ort machte.

Ist die Angst begründet?

Rund um den Alexanderplatz sind täglich mehr als 350 000 Menschen unterwegs. Angesichts dieser Menschenmenge ist der Durchschnitt von zwei Körperverletzungen und sieben Diebstählen pro Tag nicht bemerkenswert hoch. Eine No-Go-Area ist der Platz also nicht, genauso wenig wie Kottbusser Tor oder Warschauer Brücke. Die drei von der Polizei als „kriminalitätsbelastet“ eingestuften Orte haben aber gemein, dass dort die Zahl der Straftaten zuletzt stark angestiegen ist. An der Warschauer Brücke werden mehr als die Hälfte der Delikte am Wochenende begangen, wenn viele Touristen und Partygänger unterwegs sind. Auch am Alexanderplatz wird es in Wochenendnächten gefährlicher. Dann geraten Gruppen junger Männer in Streit, häufig sind Alkohol und Drogen im Spiel.

Was tun gegen die Angst?

Stadtforscher sagen: Tatorte sind nicht unbedingt Angstorte, Angstorte sind nicht unbedingt Tatorte. Soll heißen: Gefahr und Angst stehen selten in einem realistischen Verhältnis. Während sich zum Beispiel besonders alte Menschen vor Verbrechen fürchten, haben statistisch gesehen junge Männer zwischen 14 und 25 Jahren das höchste Risiko, Opfer einer Straftat zu werden – wie bei den Gruppenschlägereien am Alexanderplatz. Die Polizei rät in Situationen, in denen das eigene Bauchgefühl eine mögliche Gefahr signalisiert, nicht durch Gruppen hindurchzugehen. Die Politik kann Angst bekämpfen, indem sie nicht zulässt, dass Orte verwahrlosen. „Aggressives Betteln, öffentlicher Drogenhandel, maßloser Alkoholkonsum, Müll: Das sind Dinge, die Kriminalitätsfurcht wahnsinnig erhöhen“, sagt Strafrechtsprofessor Felix Herzog.

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