Angst bei Unfällen

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Wie gefährlich ist Berlin? : Ohne Angst durch die Stadt
Wer bei Unfällen den Notarzt ruft und die Unfallstelle sichert, hat schon viel geholfen.
Wer bei Unfällen den Notarzt ruft und die Unfallstelle sichert, hat schon viel geholfen.Foto: picture alliance / dpa

Angst bei Unfällen: Woher kommt die Angst?

Ein Unfall ist ein unvorhersehbares Ereignis, das dem Menschen schlagartig seine Zerbrechlichkeit vor Augen führt. Wir verunglücken ab dem Moment, in dem wir lernen zu laufen: keine Kindheit ohne blutige Knie, geklemmte Finger, Brandblasen. Heute seien viele aber nicht mehr in der Lage, Wunden selber zu versorgen, sagt Andreas Ohlwein, Sprecher der Berliner Feuerwehr. Das ist auch eine Nebenwirkung der Dienstleistungsgesellschaft: Erste-Hilfe- Kurse kennen die meisten nur von der Führerschein-Ausbildung. Folgerichtig nimmt auch die Hilfsfähigkeit gegenüber Mitmenschen ab – wer Zeuge eines Unfalls wird, scheut es, sich einzubringen, aus Furcht, zu versagen. Auch die Angst vor rechtlichen Konsequenzen oder einer Infektion verunsichere potenzielle Helfer, vermutet Ohlwein. Bei einer ausgeprägten Angst davor, Blut zu sehen, kann allerdings auch eine medizinisch anerkannte, spezifische Angststörung zugrunde liegen.

Ist die Angst begründet?

Wenn man Zeuge eines Unfalls wird, ist schon viel gewonnen, wenn man die Stelle absichert, Sanitäter ruft und Beistand leistet. Maßnahmen zur Wiederbelebung sind nur in äußerst seltenen Fällen erforderlich. Wichtig ist: Falsche Erste Hilfe gibt es nicht – strafbar macht sich nur, wer sich drückt. Selbst wenn sich der Zustand eines Verunglückten infolge von Sofortmaßnahmen verschlechtert, kann der Ersthelfer dafür also rechtlich nicht belangt werden.

Was tun gegen die Angst?

Grundsätzlich ist jeder zur Hilfe verpflichtet, der dazu in der Lage ist – trotz Zeitnot und Ekel. Wer Angst hat, muss zumindest 112 wählen und die Unfallstelle absichern. Viele Einsatzzentralen bieten eine telefonische Anleitung an, von der Erstversorgung bis zur Wiederbelebung. Am effektivsten helfe gegen Ängste der Erwerb von Kompetenzen, sagt Andreas Ohlwein. Erste-Hilfe-Kurse werden in Berlin vielfach angeboten. Schon nach wenigen Stunden steigt die Handlungssicherheit, zudem lernen Teilnehmer Hygieneregeln und Schutzmaßnahmen. Eine Blutphobie lässt sich mit einer Psychotherapie meist in kurzer Zeit überwinden.

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