Angst im dunklen Park: Was tun?

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Wie gefährlich ist Berlin? : Ohne Angst durch die Stadt
Nachts allein im Park: Da fühlen sich die wenigsten wohl.
Nachts allein im Park: Da fühlen sich die wenigsten wohl.Foto: Cay Dobberke

Angst im dunklen Pauk: Woher kommt die Angst?

Dunkelangst ist eine angeborene Angst, die im Laufe der Evolutionsgeschichte des Menschen weitergegeben wurde. Dunkelheit bedeutete für unsere Vorfahren einen Kontrollverlust und Gefahr; zum Beispiel in Höhlen, die Zufluchtsort der Menschen und Lebensraum wilder Tiere waren. In einem dunklen Berliner Park muss man zwar keine Angst vor wilden Tieren haben, das ungute Gefühl, seine Umgebung nicht überblicken zu können, bleibt aber. Das gilt auch für spärlich beleuchtete und unübersichtliche Orte wie Unterführungen oder Tiefgaragen.

Ist die Angst begründet?

Auf der Liste „kriminalitätsbelasteter Orte“ der Polizei tauchen zwei Parks auf: der Kleine Tiergarten und der Görlitzer Park. Aber auch andere Grünanlagen, wie zum Beispiel die Hasenheide, sind Schauplatz von Verbrechen und Drogenhandel. Der Große Tiergarten schien zuletzt zu verwahrlosen, neben Gruppen von Obdachlosen machten Dealer und Stricher Schlagzeilen. Am 5. September wurde eine 60 Jahre alte Frau auf dem Weg vom Biergarten Schleusenkrug zum Bahnhof Zoo überfallen und getötet. All diese Fälle bedeuten aber nicht, dass die Parks der Stadt grundsätzlich gefährlich sind, Präventionsexperten der Polizei machen dazu keine Aussage. „Zwischen Kriminalitätsfurcht und Kriminalitätsrealität gibt es oft keine begründeten Zusammenhänge“, sagt Strafrechtsprofessor Felix Herzog. „Natürlich gibt es an diesen Orten Straftaten. Aber das heißt nicht, dass jeder nächtliche Spaziergang im Park zwingend zu so einer Situation führt.“ Fälle wie der Raubmord im Tiergarten verstärken Ängste enorm. „Auch mich hat das sehr erschreckt. Es passt in den Topos: Der Park ist der Ort, an dem eine Frau überfallen und möglicherweise vergewaltigt oder getötet wird“, sagt Herzog. „Doch das ist nichts, was man verallgemeinern kann.“

Was tun gegen die Angst?

Fast niemand ist gezwungen, im Dunkeln eine Berliner Grünanlage zu betreten. Wer dennoch in einem Park unterwegs ist und sich unwohl fühlt, kann sich damit behelfen, zu telefonieren. Präventionsexperten der Berliner Polizei sagen zwar, ein sichtbares Telefon könne auch „Tatanreiz“ für einen Diebstahl sein. Zudem neige man dazu, beim Telefonieren weniger aufmerksam zu sein. Es kann potenzielle Täter aber abschrecken, wenn man in einem realen oder auch nur vorgetäuschten Telefonat erwähnt, dass man sich gleich treffen werde – „Na, dann sehen wir uns ja gleich, hast Du die Hunde dabei? – oder laut und deutlich seinen Standort durchgibt. Wer keinen Gesprächspartner für ein Telefonat hat, kann bei der Hotline des „Heimwegtelefons“ anrufen. Durch das Gespräch mit den Mitarbeitern der gemeinnützigen Organisation soll der Anrufer das Gefühl haben, nicht alleine nach Hause zu gehen. Um selbstbewusster und damit weniger attraktiv für Täter wirken, kann es schon helfen, beim Gehen kräftiger aufzutreten, Körperspannung aufzubauen und mit den Augen einen Punkt in der Ferne zu fixieren.

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