Angst im Gedränge

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Wie gefährlich ist Berlin? : Ohne Angst durch die Stadt
Ist das Gedränge nur vorübergehend? Sind wir unfreiwillig hineingeraten? All das spielt für unser Empfinden eine Rolle.
Ist das Gedränge nur vorübergehend? Sind wir unfreiwillig hineingeraten? All das spielt für unser Empfinden eine Rolle.Foto: picture alliance / dpa

Angst im Gedränge: Wo kommt die Angst her?

Als allgemeiner Wohlfühlabstand während einer Unterhaltung gilt eine Armlänge, also ungefähr 1,2 Meter. In unseren Intimbereich, dichter als 45 Zentimeter, lassen wir am liebsten nur unsere Partner, Familienmitglieder, kleine Kinder oder Haustiere. Wird er durch andere verletzt, empfinden die meisten das als unangenehm. Ob die Dichte als bedrohlich empfunden wird, hängt aber von der Situation ab: Befinde ich mich freiwillig im Gedränge, etwa bei einer Party? Ist es nur vorübergehend, zum Beispiel während einer Fahrstuhlfahrt, oder muss ich damit rechnen, lange dicht an dicht zu stehen? Wer ungewollt eingeengt wird, kann das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren.

Ist die Angst begründet?

„Viele Menschen lieben es, mit Menschen zusammen zu sein. Wenn man in einer Gruppe ist, stärkt das die Endorphine“, erklärt Psychiater und Angstforscher Borwin Bandelow. „Wer grundsätzlich anders empfindet, leidet vermutlich unter einer Panikstörung, bildet sich ein, keine Luft zu bekommen, und sorgt sich: Im Notfall erreicht mich hier keine Hilfe.“ Laut Jens Plag, stellvertretender Leiter der Angstambulanz der Charité, können aber auch diejenigen, die grundsätzlich kein Problem mit Getümmel haben, es mal mit der Angst bekommen: „Wenn man eh schon ein bisschen gestresst ist, vielleicht, weil man einen anstrengenden Tag hatte, nimmt man so eine Situation schnell als überstressig wahr.“ Selbst für Patienten mit körperlichen Erkrankungen besteht in der Regel aber keine ernsthafte Gefahr. „Dass es im Gedränge zu wirklich gefährlichen Situationen kommt, ist äußerst selten“, sagt auch Bandelow.

Was tun gegen die Angst?

So plötzlich die Angst entstehen kann, so schlecht wird man sie wieder los. In einer ähnlich beengten Situation wird sie wieder aktiviert, vier Prozent der Deutschen leiden unter Agoraphobie, chronischer Angst im Gedränge. Wenn die so groß wird, dass man nicht mehr zur Arbeit fahren kann, weil man in keine volle U-Bahn einsteigen will, ist professionelle Hilfe gefragt. Alle anderen können nur tief durchatmen und versuchen, sich mithilfe der Vernunft zu beruhigen: Es wird nichts passieren..

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