Angst vor Ratten

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Wie gefährlich ist Berlin? : Ohne Angst durch die Stadt
Ehe eine Ratte einen Menschen angreift, läuft sie lieber davon.
Ehe eine Ratte einen Menschen angreift, läuft sie lieber davon.Foto: dpa

Angst vor Ratten: Woher kommt die Angst?

Seit die Ratte im Mittelalter aus dem Nahen Osten nach Europa eingewandert ist, hat sie bei uns einen äußerst schlechten Ruf. Weil sie Getreidevorräte wegfraß, galt sie schnell als Schädling. Weil sie sich auch von Müll ernährte, löste sie Ekel aus. Mitte des 14. Jahrhunderts raffte die Pest ein Drittel der europäischen Bevölkerung dahin, übertragen wurde die Seuche durch den Rattenfloh, die Ratte als Wirtstier des Flohs galt den Menschen aber als Auslöser der Epidemie. Grundsätzlich glauben Angstforscher, dass eine Phobie vor Tieren – auch vor so kleinen wie einer Ratte – auch ein Erbe der Evolution ist. Nur diejenigen unserer Vorfahren, die Angst vor wilden Tieren zeigten, konnten überleben und ihre Gene und damit auch die Angst weitergeben.

Ist die Angst begründet?

Die Chance, in Berlin einer Ratte zu begegnen, ist groß. Vermutlich bewegt sich ihre Zahl im niedrigen einstelligen Millionenbereich. Die Wanderratte (rattus norvegicus) ist dabei in Berlin deutlich häufiger als die Hausratte (rattus rattus). Laut dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) ist die Zahl der Bekämpfungsmaßnahmen zwischen 2010 und 2016 von 4579 pro Jahr auf 9114 gestiegen. „Wenn Sie eine Ratte treffen, wird die aber wegrennen – das sind Fluchttiere“, sagt Kammerjäger Mario Heising, der seit mehr als 30 Jahren in Berlin Schädlinge bekämpft. "Ich habe noch nie gehört, dass eine Ratte versucht hat, einen Menschen anzugreifen." Angst vor der Ratte selbst muss man also nicht haben - wohl aber vor ihrem Kot und ihrem Urin, die bis zu 120 Krankheiten übertragen können. Das kann geschehen, wenn Ausscheidungen der Ratte in den menschlichen Körper gelangen, zum Beispiel über Schleimhäute, eine kleine Wunde oder Nahrungsmittel, die Ratten angefressen oder verunreinigt haben. In geschlossenen Räumen können getrocknete Partikel von Rattenkot sogar eingeatmet werden. Ratten tragen auch alle in der Kanalisation auftretenden Keime mit sich herum, Mario Heising nennt als Beispiel die Charité: „Dort liegen Menschen mit Hunderten von Krankheiten – die Patienten gehen alle auf die Toilette. Und in der Kanalisation sitzen die Ratten, die dort essen und trinken.“

Was tun gegen die Angst?

Selbst der Profi ist nicht vor dem Schrecken gefeit, den Ratten verbreiten können. „Wenn ich in einen Keller komme und da tummeln sich 25 Ratten – da mache ich erst einmal kehrt“, sagt Mario Heising. Wo eine Ratte zu sehen ist, verstecken sich meist noch mehr, die Tiere vermehren sich rasant. Eine Rattenpopulation wird man nur mit einem Kammerjäger los, der die Tiere mit Fallen und Gift bekämpft. „Jeder, der eine Ratte im öffentlichen Straßenland sieht, ist dazu aufgerufen, das beim Gesundheitsamt zu melden“, heißt es beim Lageso. Das beste Mittel gegen Ratten ist allerdings, ihnen so wenig Futter wie möglich zur Verfügung zu stellen, also Parks nicht vollzumüllen, Papierkörbe nicht überquellen zu lassen und vor allen Dingen keine Essensreste in die Toilette zu kippen.

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