Wildschwein-Plage in Brandenburg : Bogenjagd in Stahnsdorf abgesagt

Die Sondergenehmigung für die Bogenjagd auf Wildschweine kommt nicht. Brandenburgs Umweltministerium hat das Pilotprojekt überraschend gestoppt.

Eva Schmid
Die Jagd mit Pfeil und Bogen auf Wildschweine sollte ursprünglich im Juni in den Gemeinden Stahnsdorf und Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) beginnen.
Die Jagd mit Pfeil und Bogen auf Wildschweine sollte ursprünglich im Juni in den Gemeinden Stahnsdorf und Kleinmachnow...Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Ganz Deutschland schaut auf Stahnsdorf, doch die geplante, bundesweit einmalige Sondergenehmigung für die Bogenjagd auf Wildschweine kommt nicht. Brandenburgs Umweltministerium hat das Pilotprojekt überraschend gestoppt.

Der Grund: Es hat sich kein Partner für die wissenschaftliche Begleitung gefunden. „Die notwendige Ausschreibung, die in dieser Woche abgeschlossen wurde, hat kein zuschlagfähiges Ergebnis gebracht“, sagte ein Sprecher.

Dass sich kein Wissenschaftler gefunden habe, könne an der „öffentlichen Begleitmusik“ liegen, sagte er. In den vergangenen Wochen wurden die Kritiker immer lauter. Die Tierschutzorganisation Peta und der Landestierschutzbund kündigten an, Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) zu verklagen, sollte er die Bogenjagd genehmigen.

Kritik kam auch vom Deutschen Jagdverband. Anfang April brannte in Stahnsdorf ein Hochsitz, an das Rathaus schmierten Unbekannte Parolen wie „Schweine an die Macht“ und „ Tierquälerei ist eine Sauerei“. Die Bogenjagd ist in Deutschland seit 1976 verboten, aber in Ländern wie Spanien, Italien, Frankreich und den USA erlaubt.

Jagdpächter: „Bogenjagd politisch nicht gewollt“

„Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Bogenjagd politisch nicht gewollt ist“, sagt Jagdpächter Peter Hemmerden, der die Sondergenehmigung beantragt hatte. Öffentlich propagiert hatte die Idee Stahnsdorfs Bürgermeister Bernd Albers (BfB). Der Jagdpächter, der ausgebildeter Bogenschütze ist, erarbeitete ein umfangreiches Konzept, Fachleute hielten eine Konferenz ab.

„Ich fühle mich, als ob mir auf der Zielgeraden ein Bein gestellt wurde“, sagt Hemmerden. Das Ministerium will trotzdem helfen. Fachleute der Wildökologischen Forschungsstelle Eberswalde sollen mit Jägern und Kommunalpolitikern prüfen, welche alternativen Jagdmethoden in bebauten Gebiete möglich sind, etwa der Einsatz von Jagdwaffen mit modifizierter Munition sowie mit Schalldämpfern.

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