Wohnungen gegen Welterbe : Streit um Wohnungsbau am Park Babelsberg

Der Park Babelsberg gehört zum Weltkulturerbe. Wegen des geplanten Wohnungsbaus in unmittelbarer Nähe droht nun Ärger mit der Unesco-Kommission.

Potsdam droht Ärger mit der Unesco-Kommission wegen des geplanten Wohnungsbaus am Babelsberger Park
Potsdam droht Ärger mit der Unesco-Kommission wegen des geplanten Wohnungsbaus am Babelsberger ParkFoto: Sebastian Gabsch PNN

Brandenburgs Landeshauptstadt droht Ärger mit der Unesco-Kommission in Paris. Grund ist der geplante Bau von Wohnungen am Babelsberger Park. Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) hat den Fall bei der Unesco-Kommission gemeldet, wie ein Sprecher bestätigte. Potsdam droht damit ein Eintrag auf der Roten Liste gefährdeter Welterbestätten.

Die Stadt plant auf einer Fläche neben dem Babelsberger Park Wohnungsbau. Nach jahrelangem Streit konnten das Rathaus und die Denkmalbehörden keinen Kompromiss um das Ausmaß erzielen. Sollte Potsdam bei den Plänen bleiben, müsse die Pariser Kommission über das weitere Vorgehen entscheiden, sagte Michael Kummer, Mitglied des Internationalen Rates für Denkmalpflege (Icomos), der die Unesco in Welterbefragen berät.

Denkmalexperten befürchten irreparablen Schaden der Welterbestätte

Der Berliner Investor BMP Immobilienentwicklung plant den Wohnkomplex auf einem rund 30 000 Quadratmeter großen Areal, das in der engeren Pufferzone um das Welterbe liegt, in der besonders strenge Bauvorschriften gelten. Geplant sind rund 270 Wohnungen. Der Konflikt dreht sich um das westliche und lukrativste der drei Baufelder: In dem Grüngürtel sind direkt an der Havel rund 80 Wohnungen geplant.

Icomos, die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten sowie das Landesdenkmalamt fordern, dass dieses Baufeld unbebaut bleibt. Das lehnt die Stadt mit Verweis auf den Wohnungsmangel ab. Denkmalexperten sehen in der Bebauung der Teilfläche eine irreparable Schädigung der Welterbestätte.

Hier sollen die 270 Wohnungen entstehen.
Hier sollen die 270 Wohnungen entstehen.Foto: Uta Schilli / TSP

Vor knapp einem Jahr hatte der Vizepräsident des Deutschen Nationalkomitees von Icomos, Christoph Machat, kritisiert, das Gebiet sei die „letzte freie Landschaftsbrücke zwischen dem Park Babelsberg, der Havel und der Potsdamer Stadtmitte“. Diese landschaftliche Verbindung sei für die Qualität des Parks Babelsberg von großer Bedeutung, „ihre Störung gefährdet den außerordentlichen, universellen Wert der Welterbestätte ,Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin‘“.

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