Wohnungsmangel in Berlin : Lompscher lädt zum großen Baugipfel

Senat, Bezirke und städtische Wohnungsbauunternehmen sollen zusammen Lösungen für Berlins Wachstumsprobleme suchen. Die Bezirke spielen eine Schlüsselrolle.

Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke)
Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke)Foto: dpa/Britta Pedersen

Bezirke, Senatsverwaltungen, Wohnungsbaugesellschaften – sie alle bittet Katrin Lompscher am kommenden Dienstag zum großen Berliner Stadtentwicklungsgipfel an einen Tisch. Auf Initiative der linken Stadtentwicklungssenatorin wird dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit die „Stadtbau-Konferenz“ in Friedrichshain abgehalten.

Dazu sind Entscheidungsträger aller Senatsverwaltungen, Bezirke und landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften sowie Vertreter aus dem Quartiersmanagement eingeladen. Sie sollen gemeinsam unter dem Motto „Berlin gemeinsam weiter bauen“ darüber diskutieren, „wie das Wachstum Berlins zu meistern ist“, teilte Lompschers Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen dem Tagesspiegel auf Anfrage mit.

Dabei wird auch über die Wohnungsbaubündnisse gesprochen werden, die der Senat mit allen Bezirken abgeschlossen hat. Darin werden für 2018 bis 2021 individuelle Zielvorgaben gemacht, insgesamt sollen in Berlin in diesem Zeitraum rund 100.000 neue Wohnungen entstehen. Längst ist klar, dass die meisten Bezirke diese Ziele nicht erreichen werden. Dadurch gerät auch Lompscher immer stärker unter Druck.

Die Stadtbau-Konferenz soll nach Aussage der Senatsverwaltung die Bezirke aber nicht „auf Kurs bringen“, etwa indem der Senat den Druck erhöht oder große Projekte an sich zieht. Vielmehr solle die Rolle der Bezirke gestärkt werden. Man wolle mit ihnen zusammen erörtern, wie man Stadtentwicklung angehen könne, so dass es auch wirklich funktioniert.

Dabei wolle Lompscher bewusst keine konkreten Konferenz-Ziele etwa beim Wohnungsneubau vorgeben. Vielmehr stehe der „der offene, kollegiale Erfahrungs- und Gedankenaustausch“ im Vordergrund. Der Stadtentwicklungsplan Wohnen 2030, der derzeit erstellt wird, werde in die Diskussionen mit einfließen, er sei aber nicht das Hauptthema der Konferenz.

Es gehe um einen ganzheitlichen Ansatz für Stadtentwicklung. Es sei angekommen in der Stadt, dass man nicht nur ein Thema wie Wohnen, Verkehrsinfrastruktur oder Gewerbe als das Wichtigste priorisieren könne. Es müsse immer alles zusammengedacht werden. „Und das läuft eben auf Bezirksebene zusammen – dort weiß man am besten, was ein Quartier braucht“, heißt es aus der Senatsverwaltung.

Personalfrage wird große Rolle spielen

Eingeladen sind auch internationale Stadtplaner, die von ihren Erfahrungen berichten und Anregungen für Berlin geben sollen. Nach den sogenannten Keynote-Vorträgen sollen dann ämterübergreifende Arbeitsgruppen zu diesen Schwerpunktthemen gebildet werden: Wachstumschancen, multifunktionale Infrastruktur, Umweltgerechtigkeit im öffentlichen Raum, Auflösung von Flächenkonkurrenzen und Mobilitätsplanung.

In den AGs sollen „Handlungsbedarfe der Bezirke konkretisiert und übertragbare Ansätze und Vorgehensweisen identifiziert werden, um sie für die Wachstumsgestaltung gemeinsam zu nutzen“.

Die Senatsverwaltung ist sich im Klaren darüber, dass dabei die Personalfrage eine große Rolle spielen wird. Viele Bezirke beklagen, dass sie für Stadtplanung nicht genügend Mitarbeiter zur Verfügung haben und es deswegen unter anderem zu den immer wieder beklagten Verzögerungen bei Bauprojekten kommt.

Darüber werde man reden müssen, räumt Lompschers Verwaltung ein. Es sei prinzipiell schon besser geworden, aber an manchen Stellen reiche es eben noch nicht. Um den Bedarf realistisch einschätzen zu können, sei der Erfahrungsaustausch auf der Konferenz wichtig. Die Ergebnisse der Konferenz sollen anschließend in einer Ausstellung auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

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