World Without Aids Award in Berlin : Ökonomin mit großem Herz

Namibias First Lady Monica Geingos erhält während der Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung in Berlin den „World Without Aids Award“.

Monica Geingos setzt sich für Mädchen und Frauen ein.
Monica Geingos setzt sich für Mädchen und Frauen ein.Foto: Riccardo Savi/AFP

Monica Geingos ist Anwältin. Sie leitete mehrere Unternehmen und kämpft an internationaler Front gegen HIV/Aids. Eines kann man dieser Präsidentenfrau nicht unterstellen: Dass sie im Schatten ihres Mannes stehe.

„Geingos ist die erste moderne First Lady Namibias“, meint der namibische Politologe Henning Melber. Anders als ihre Vorgängerinnen gehöre sie nicht der Elite an, die sich im Freiheitskampf einen Namen machte. Stattdessen nutzte sie Namibias neu erworbene Unabhängigkeit von Südafrika ab 1990, um zu studieren und zu einer der erfolgreichsten Geschäftsfrauen des Landes aufzusteigen.

Mit 41 Jahren ist sie knapp vier Jahrzehnte jünger als ihr Ehemann, Präsident Hage Geingob. Nicht alltäglich ist auch Geingos’ Hilfsprojekt, die „One Economy Foundation“, die sie 2016 im Jahr nach dem Amtsantritt ihres Manns gründete. Namibias Reichtum ist ungleich verteilt. In der ehemaligen deutschen Kolonie, wo Wohlstand zumeist Weißen und einer politisch vernetzten schwarzen Elite vorbehalten ist, fördert Geingos’ Organisation Kleinunternehmer in Townships mit kostenlosen Mikrokrediten. „Wir versuchen, Chancen zu schaffen, indem wir Menschen wirtschaftlich auf eigene Beine stellen“, sagt Geingos.

Sie energisch, zielstrebig und hat keine Zeit für Unfug

Regelmäßig spricht sie in wirtschaftspolitischen Fragen mit. Sie ist Ökonomin durch und durch – mit großem Herz. Die Förderung junger Frauen scheint ihr ein besonderes Anliegen. Passend ernannte sie die Organisation der Vereinten Nationen für HIV/Aids (UNAIDS) vor zwei Jahren zur Sonderbotschafterin für junge Frauen und Mädchen. In ihrer Heimat setzt sich Geingos schon länger gegen die Epidemie ein, besucht von Aids betroffene Gemeinden in Namibias Hinterland und kämpft vor allem gegen die Mutter-Kind-Ansteckung. „Wer die Übertragung stoppt, hat den ersten Teil bereits richtig gemacht“, ist Geingos überzeugt.

Sie ist energisch, zielstrebig und hat keine Zeit für Unfug. Bloß in einem Punkt hat die zweifache Mutter ihre Meinung bisher grundlegend geändert: Wiederholt habe sie dem späteren Präsidenten Geingob einen Korb gegeben, als dieser sie um ein Date bat. „Ich fand allerlei Gründe, warum es mit uns niemals funktionieren würde.“ Umgestimmt habe sie aber die Erkenntnis, dass sie und der Politiker „Seelenpartner“ seien.

Kritiker warnen, dass die Nähe der emanzipierten Geschäftsfrau zum Präsidenten eine gefährliche Kombination sei. Einige unterstellen ihr, sich in die Gesetzgebung einzumischen. Doch wäre eine rational denkende, starke Frau an der Seite eines Staatsmannes fehl am Platz? „Sie ist zweifelsohne eine positive Bereicherung der politischen Kultur im Land und setzt für First Ladies neue Maßstäbe“, sagt Politologe Melber. „Fast lädt sie zu der Assoziation ein, die Michelle Obama Afrikas zu sein.“

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