Berlin : Wowerator trifft Gouvernator

Klaus Wowereit besucht Arnold Schwarzenegger – und wirbt bei Hollywoods Filmindustrie für Berlin

Christoph v. Marschall[Los Angeles]

Stolz und Erleichterung herrschen in der Berliner Delegation in Los Angeles. Das Foto, das Klaus Wowereit neben Arnold Schwarzenegger zeigt, wird wie eine Trophäe herumgereicht. Nun könne die Opposition daheim nicht mehr behaupten, der einwöchige Trip zum 40. Jubiläum der Städtepartnerschaft sei eine Lustreise ohne politische Substanz. Nur ein deutscher Politiker sei zuvor von Arnie empfangen worden: Edmund Stoiber.

Zugleich sagt Wowereit, die von Thomas Gottschalk vermittelten 45 Minuten beim Gouvernator seien „ein Privattermin“ gewesen, kein Treffen der Regierenden des Bundeslandes Berlin und des US- Bundesstaates Kalifornien. Es sind zwei Gewichtsklassen. Kalifornien, 36 Millionen Einwohner, ist für sich genommen die siebtgrößte Volkswirtschaft der Erde. Schwarzenegger sagt, er liebe Berlin und komme gerne. Ähnliches hatte Stoiber 2005 über Bayern gehört. Der Gegenbesuch dort lässt bis heute auf sich warten.

Schwarzenegger residiert in der Hauptstadt Sacramento, 600 Kilometer nördlich von Los Angeles. Am Dienstag aber war er in seinem Büro in L.A. Es hat die Ausmaße einer Halle, überlebensgroße Figuren seiner Filmrollen schmücken den Raum, von der Decke ragt ein Kampfflugzeug herab, den Schreibtisch schmückt die US-Flagge. Über Umwelt- und Klimaschutz habe man gesprochen, Kalifornien ist da ein Vorreiter in den USA. Auch über das Kyoto-Protokoll? In Amerika tritt Schwarzenegger für eine Reduzierung der Treibhausgase und den Handel mit Emissionsrechten ein, hält Kyoto aber wie fast alle Amerikaner für den falschen Weg. Nein, so ins Detail sei man nicht gegangen, sagt Wowereit.

Womöglich war sein Abendtermin folgenreicher für Berlin. Das Medienboard Berlin-Brandenburg stellte der US-Filmindustrie die neuen deutschen Förderbedingungen vor. Sie sollen ausländische Produktionen ins Land holen: Statt der ineffektiven Steuerabschreibungsmodelle lockt eine bis zu 20-prozentige Erstattung der in Deutschland getätigten Ausgaben. Mit seinen günstigen Hotel- und Restaurantpreisen wird Berlin so zur Konkurrenz für Billigdrehorte wie Prag oder Rumänien. Der regionalen Wirtschaft kann das viele Millionen bringen. „Klingt interessant“, sagten Hollywood-Insider.

Begonnen hatte der Tag im Rathaus von Los Angeles. Amtskollege Antonio Villaraigosa, der erste Latino-Bürgermeister der Stadt seit 1872, ist im typischen Metropolenspagat zwischen internationaler Politik und lokaler Aufregung. Die Olympiade 2016 will er nach Los Angeles holen. Tagesthema aber ist „Free Willy!“ Tierschützer möchten dem Zoo verbieten, Elefanten zu halten, das sei nicht artgerecht. Schlitzohr Villaraigosa steht „privat“ bei den Tierschützern, greift als Bürgermeister aber nicht ein. Der Stadtrat hält es mit Familien und Kindern, die Elefanten im Zoo sehen wollen. Der Kompromiss: Das Gelände wird vervierfacht.

Im Juni besucht Villaraigosa Berlin, die Partnerschaft erhält etwas mehr Gleichgewicht. Sein deutschstämmiger Vorgänger Hahn war nie gekommen. Villaraigosa grinst: „Auslandsreisen von Politikern sind auch hier nicht sehr populär.“

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