Zeit-Magazin x Vogue Konferenz : Für mehr Maß in der Mode

Zum Auftakt der Fashion Week in Berlin fand die Mode-Konferenz vom Zeit-Magazin und Vogue statt. Mit dabei Plädoyer für weniger Massenkonsum und Schnelllebigkeit

Christiane Arp, Chefredakteurin der deutschen Ausgabe der "Vogue", lud zum sechsten Mal zum Modesalon ein.
Christiane Arp, Chefredakteurin der deutschen Ausgabe der "Vogue", lud zum sechsten Mal zum Modesalon ein.Foto: picture-alliance/ dpa

Die ziemlich ausgelatschten Sandalen des Apple-Gründers Steve Jobs zogen schon vor Beginn der gemeinsamen Mode-Konferenz von „Zeit-Magazin“ und „Vogue“ die Besucher im Kronprinzenpalais an. Wie eine Reliquie waren sie im Rahmen einer Birkenstock-Ausstellung in einer Vitrine inszeniert. Ihre Botschaft erschloss sich später.

Es sollte hier am Dienstag um die Relevanz der Mode gehen, darum, ob das Modesystem, wie es heute bekannt ist, überhaupt überlebensfähig ist. Mit dieser Frage konfrontierten die Chefredakteure der gastgebenden Zeitschriften, Christoph Amend und Christiane Arp, eingangs die Teilnehmer im überfüllten Saal. Hochkarätige Gäste hatten überraschende Antworten mitgebracht.

Plädoyer für Comeback der Seele

Brunello Cucinelli, eigentlich berühmt für farbenfrohe Kaschmirkollektionen, nutzte seinen Auftritt vor dem Fachpublikum zu einem leidenschaftlichen Plädoyer für ein Comeback der Seele. Fragen nach dem Wie und Warum seiner Mode und nach der Zukunft der ganzen Branche beantwortete er konsequent mit Zitaten großer Philosophen wie Kant und Spinoza. So machte er auf kleinen Umwegen klar, was wirklich wichtig ist, wenn die Mode noch zu retten sein soll. Weniger Mails, mehr Muße, mehr Zeit, den Gedanken nachzuhängen. Er beschrieb seine Kindheit auf einem armen Hof in Umbrien ohne Elektrizität und Wasseranschluss, die Jahre, die er später träumend in Cafés und Bars verbrachte. Damals habe er seinen Sinn für Balance und Fairness entwickelt.

Er sei gekommen, um über die menschliche Würde zu sprechen, verkündete er, und wie wichtig es für die Lebensqualität sei, das eigene Ich wiederzuentdecken. Nur wenn die Seele im Frieden sei, könne Kreativität entstehen. Er wolle gern ein geheimes Leben führen, von dem sein Smartphone nichts mitbekommt. Und er wolle einige junge Leute im Publikum überzeugen, Dinge nicht nur zu konsumieren, sondern wirklich zu nutzen. Vom Nutzen der Dinge, die vielleicht selber eine Seele haben, erzählten eben auch die alten Latschen des iPhone-Erfinders.

Weniger Konsum, weniger Schnelligkeit

Auch andere Protagonisten warben für weniger massenhaften Konsum, weniger Schnelligkeit. Die belgische Mode-Expertin Linda Loppa ist überzeugt, dass Einkaufserlebnisse in Geschäften wieder wichtiger werden. Es gehe darum, den Moment zu genießen, ein Kleid auf sich wirken zu lassen. Schon in der Auftakt-Rede hatte der Style-Director des „Zeit-Magazins“, Tillmann Prüfer, für mehr Balance und Maß in der Mode plädiert. Es bringe nichts, wenn Unternehmen Designer mit immer mehr Anforderungen an schnelllebige Kollektionen zu Kreativrobotern degradierten und keiner Zeit habe, mit einer Marke zu wachsen.

Die Nachfrage nach dieser jährlichen Konferenz ist auch deshalb so rasant gewachsen, weil sie den Zeitgeist ziemlich genau erspürt. Vor diesem Hintergrund leuchtet die Entscheidung von Mercedes Benz ein, die Modewoche zunächst zu verknappen. Cucinelli jedenfalls ist überzeugt, dass eine Idee erst richtig gut wird, wenn sie langsam durch den Kopf und die Seele gegangen ist.

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