Zulassung von Autos : Warterei bei Berliner Kfz-Behörden geht weiter

Händler warten bis zu zwei Wochen auf einen Termin, Privatleute meist noch länger. Trotz neuer Mitarbeiter werden die Wartezeiten nicht geringer.

Nervig. Keine erste Fahrt ohne Geduldsprobe, hier in der Kfz-Zulassungsstelle Jüterboger Straße in Kreuzberg.
Nervig. Keine erste Fahrt ohne Geduldsprobe, hier in der Kfz-Zulassungsstelle Jüterboger Straße in Kreuzberg.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Lotto spielen oder ein Auto zulassen: Der Unterschied ist nicht sehr groß. Um erfolgreich zu sein, braucht man einfach Glück. Wer es beim Lotto nicht hat, bleibt arm, wem es in der Zulassungsstelle fehlt, muss wochenlang warten, ehe die erste Fahrt mit dem neuen oder umgemeldeten Auto möglich ist.

Fünf Wochen müsse er nach dem Kauf eines Gebrauchtwagens bis zum Anmelden warten, sagte ein Betroffener dem Tagesspiegel. Dies sei auch mit erheblichen finanziellen Einbußen verbunden. Zudem seien die beiden Zulassungsstellen in Kreuzberg und Lichtenberg telefonisch nur schwer zu erreichen.

Ähnliche Klagen hatte es bereits im vergangenen Jahr gegeben. Auch damals betrugen die Wartezeiten teils mehr als 20 Arbeitstage. Vorübergehend stellten die Zulassungsstellen sogar die telefonische Terminbuchung ein. Die Innenverwaltung versprach, Mitarbeiter einzustellen.

Das eigene Ziel der Behörde wird verfehlt

Dies sei auch erfolgt, sagte jetzt eine Sprecherin auf Anfrage. Sechs Stellen seien in diesem Jahr nochmals besetzt worden. Insgesamt gibt es in den Zulassungsstellen über 200 Mitarbeiter. Die Wartezeiten sind aber nicht verschwunden. Sie schwankten von Tag zu Tag erheblich, sagte die Sprecherin weiter.

Aktuell müssten Händler zehn Arbeitstage, also zwei Wochen, auf einen Termin warten. Zu lang, findet auch die Sprecherin. Bei den Händlern werden langsam die Plätze für Autos knapp, die auf eine Zulassung warten. Bei Privaten sei die Wartezeit „etwas höher.“ Hier könnten es durchaus wieder 20 Arbeitstage, also vier Wochen, werden, gibt die Verwaltung auf Nachfrage zu.

Durch die tägliche Freischaltung von kurzfristig zur Verfügung stehenden Terminen sei zum Teil auch eine kurzfristigere Terminierung möglich. Nach den langen Wartezeiten im vergangenen Jahr sei es gelungen, die Bearbeitungszeit zu Beginn des Jahres auf durchschnittlich zwei Tage zu reduzieren. Dies dauerhaft zu halten, sei das Ziel, sagte die Sprecherin.

Derzeit wird es allerdings verfehlt. Im vergangenen Jahr hatte die Innenverwaltung ebenfalls im April die langen Wartezeiten mit der wachsenden Stadt begründet, die zu einem Anstieg der Bearbeitungszahlen geführt habe. Hinzu sei der übliche saisonale Anstieg im Frühjahr gekommen. Zudem sei die Nachfrage wegen der jeweils zum Quartalsende eingereichten Tageszulassungen für Rabattaktionen der Händler gestiegen.

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Ganz Clevere hatten Termine gebucht, um sie gegen Entgelt weitergeben zu können. Der Betroffene mit der fünfwöchigen Wartezeit hat einen anderen Vorschlag. Für jeden Tag über eine zumutbare Wartezeit von maximal einer Woche hinaus müsse die Behörde eine Gutschrift von mindestens zehn Euro auf die Kraftfahrzeug-Steuer gewähren. Dann werde die Behörde ganz schnell arbeiten, ist er überzeugt.

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