Zum Schießen : Fühlen sich Berliner immer unsicherer in ihrer Stadt?

Eine Statistik zeigt: Privatpersonen in Berlin haben immer mehr Schusswaffen. Doch woran liegt das? Unser Autor geht der Sache in seiner Glosse auf die Spur.

Die Anzahl der registrierten Schusswaffen von Privatpersonen ist in Berlin gestiegen.
Die Anzahl der registrierten Schusswaffen von Privatpersonen ist in Berlin gestiegen.Foto: DPA/DPAWEB

Wer in Berlin mit einer geladenen Waffe durch die Gegend läuft, der ist entweder Polizist oder lenkt einen Geldtransporter – soweit die Theorie. Die Praxis sieht so aus, dass es in der Stadt alle möglichen Waffenträger gibt, legale und illegale. Nur die legalen, das liegt in der Natur der Sache, kann man zählen, und es wird routinemäßig getan. Dann muss noch jemand danach fragen, das hat jetzt die AfD-Fraktion im Abgeordnetenhaus gemacht. Das Ergebnis: Im vergangenen Jahr waren in Berlin 50 290 Schusswaffen registriert, ein Anstieg um elf Prozent seit 2014.

Ein bisschen Juristerei: Es gibt die Wafffenbesitzkarte, die jeder erhält, der nachweisen kann, dass er sie braucht – Sportschützen, Jäger, Sammler, gefährdete Privatpersonen. Erst der Waffenschein erlaubt es, dann auch bewaffnet herumzulaufen. Er setzt besondere Gefahr voraus, dafür reicht es nicht, wenn der Nachbar am Gartenzaun ruft: „Ich bring dich um, wenn du schon wieder grillst!“ Außerdem gibt es noch den „kleinen Waffenschein“ für Schreckschusswaffen, dessen Antragsteller im Wesentlichen seinen schönen Charakter nachweisen muss; hier sind die Zahlen bis 2016 massiv angestiegen, aber zuletzt wieder gesunken.

Auch Messer töten ziemlich effektiv

Ja. Was sagt uns das nun alles? Ein Boom im Sportschützenwesen dürfte nicht der Grund sein, und auch kein enormer Anstieg der Geldtransporterei. Ist es also so, wie sowohl die AfD als auch die Gewerkschaft der Polizei argwöhnen – dass sich die Berliner nämlich immer unsicherer in ihrer Stadt fühlen? Oder umgekehrt, dass diese Zunahme der Waffenmenge erst die Unsicherheit derart erhöht, dass dann schließlich jeder irgendwas zum Schießen, Stechen und Sprühen mit sich herumschleppt? Man kann, wenn man will, eine solche Situation herbei- und hochreden; die Straftatenstatistik gibt dazu nichts her, es wird in Berlin mal mehr, mal weniger geschossen ohne klaren Trend.

Unheimlich bleibt die Lage trotzdem. Denn im Ernstfall kann eine einzige legale oder illegale Waffe schon zu viel sein. Und Messer töten ebenfalls ziemlich effektiv – es gibt auch sie in vielen, viel zu vielen Taschen.

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