Zwangsehe : Rettung für Krisenwohnung scheint gefunden

Noch vor wenigen Tagen stand die Krisenwohnung für homosexuelle Opfer von Zwangsehen vor dem Aus. Doch es gibt Neuigkeiten.

Auch homosexuelle Menschen werden Opfer von Zwangsehe, weil deren Familien damit den Schein wahren wollen.
Auch homosexuelle Menschen werden Opfer von Zwangsehe, weil deren Familien damit den Schein wahren wollen.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die Senatsverwaltung für Justiz stellt 100.000 Euro zur Verfügung, um homosexuellen Opfern von Zwangsehe Zuflucht in einer Krisenwohnung zu gewähren. Das sagte Sebastian Brux, Sprecher der Justizverwaltung, dem Tagesspiegel am Freitag. Das Geld stammt aus dem Haushalt der Behörde und soll die Finanzierung des Projekts im Jahr 2019 sichern. Für den Doppelhaushalt 2020/2021 ist das Projekt ebenfalls angemeldet.

Kritik am Senat

Zuletzt hatte allen voran der Lesben- und Schwulenverband Berlin (LSVB) kritisiert, dass die rot-rot-grüne Landesregierung das Projekt trotz Ankündigung im gemeinsamen Koalitionsvertrag nicht umgesetzt hatte. Nachdem die nötigen Finanzmittel im Doppelhaushalt 2018/2019 schlicht fehlten, lehnte die Lotto-Stiftung Berlin einen Antrag auf Förderung zuletzt ab. Damit stand das Projekt, für das die Arbeiterwohlfahrt (Awo) bereits im Mai 2018 eine geeignete Wohnung angemietet hatte, vor dem Aus.

Ob die Awo tatsächlich den Zuschlag bekommt und die Krisenwohnung betreiben darf, ist offen. Im Januar 2019 werde es ein Interessenbekundungsverfahren geben, bei dem sich interessierte Träger melden können. "Wir wollen möglichst schnell einen Bewerber finden, der die Wohnung in Berlin umsetzen kann", erklärte Brux und fügte hinzu: "Das Projekt ist uns sehr wichtig." Auch deshalb habe man nach der Absage durch die Lotto-Stiftung hausintern nach Geldern gesucht und die Finanzierung letzten Endes möglich gemacht.

Anstieg der Zahlen

2017 gab es in Berlin nach Angaben des Arbeitskreises gegen Zwangsehen 570 derartiger Fälle, die Dunkelziffer schätzen Experten auf das Zehnfache dessen. Im Jahr 2013, als die Statistik zuletzt erhoben war, lag die Zahl der bekannt gewordenen Fälle von Zwangsehen bei 460.

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