Berlin : Zwei Geschenke, ein Schloßplatz

„White Cube“ oder „Wolke“? Wie soll die temporäre Kunsthalle aussehen? Der Senat hat ein neues Angebot erhalten – und ist noch skeptisch

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In Kürze wird der Senat vermutlich vor der Entscheidung stehen, welche temporäre Kunsthalle als Ausstellungsort für die Werke Berliner Künstler auf dem Schloßplatz errichtet werden soll. Nachdem der Stadt das Projekt „Wolke“ der Architekten Graft als Geschenk angeboten worden ist, ein Finanzierungskonzept aber noch fehlt, gibt es seit gestern ein weiteres Angebot. Der Wiener Architekt Adolf Krischanitz, ein Spezialist für vorübergehende Bauten, und die Initiative „White Cube Berlin“ stellten ihrerseits einen Entwurf einer Kunsthalle vor, die bis zu einer Grundsteinlegung des Schloss-Neubaus stehen bleiben könnte. Das Gebäude soll privat finanziert werden und rund 950 000 Euro kosten.

Der ehemalige Senator Volker Hassemer, Vorstandsvorsitzender der 2006 gegründeten Stiftung Zukunft Berlin, stellte sich hinter das Vorhaben. „Das Projekt wird verwirklicht“, sagte er. In der nächsten Woche will er den Fraktionsvorsitzenden im Abgeordnetenhaus die Pläne vorstellen und dafür plädieren, „einen Zeitrahmen zu bekommen“. Der Bau könne auch andernorts entstehen, aber der Schloßplatz sei „ideal und im Interesse Berlins“. Man wolle nicht mit anderen Plänen konkurrieren, sondern Anstöße für die dringend benötigte Kunsthalle geben. „Berlin muss nur diesen Ball aufnehmen“, sagte Hassemer.

Nach Auskunft von Thorsten Wöhlert, dem Sprecher der Kulturverwaltung, ist „zeitnah“ ein Termin mit den Initiatoren des jüngsten Entwurfs verabredet worden. Für welches Projekt sich der Senat auch entscheide, es müsse plausibel und durchgerechnet sein. Daneben gebe es Bemühungen des Landes Berlin für eine dauerhafte Kunsthalle, sagte Wöhlert.

Der würfelförmige Pavillon des Architekten Krischanitz – er baute 1992 eine temporäre Kunsthalle auf dem Karlsplatz in Wien – soll eine Ausstellungsfläche von 600 Quadratmetern haben. Der winterfeste, beheizbare Bau besteht aus einer Stoffhaut über einem Stahlgerüst, enthält den Schauraum „White Cube“ im Inneren, außerdem ein Café und einen Museumsshop. Das Gebäude ist schnell auf- und abzubauen. Es soll gegenüber dem Lustgarten in Nachbarschaft der vorgesehenen „Humboldt-Box“ entstehen, der Informationsstelle für die Schlossplatz-Planungen.

Nach Angaben des Bundesbauministeriums soll 2010 der Grundstein für den Schlossaufbau gelegt werden. Die Kunsthalle könnte vermutlich eineinhalb bis zwei Jahre stehen bleiben. Die temporäre Halle in Wien, die Krischanitz 1992 entworfen hatte, wurde mit der Zeit zum „Kultgegenstand“ und stand schließlich zehn Jahre.C. v. L.

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