Berlin : Zwischen Licht und Schatten

Barenboim musizierte zugunsten der Sudan-Hilfe

Isabel Herzfeld

Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss: Am vorletzten Tag seiner Aktionswoche für Darfur warb das Jüdische Museum mit musikalischer Prominenz um Aufmerksamkeit für die Menschenrechtsverletzungen im Sudan. Wer, wenn nicht Juden, meinte Direktor Michael Blumenthal, könnte aufgrund seines eigenen Schicksals die Weltgemeinschaft zum Handeln auffordern? Und wer, möchte man hinzufügen, wenn nicht Daniel Barenboim mit seiner Versöhnungsarbeit in Palästina, ist dazu berufen, dies in der Sprache der Musik aufs Nachdrücklichste zu unterstützen?

Mit Mitgliedern seines West-Östlichen Diwan Orchesters spielte der Maestro Schuberts Forellenquintett, so fein und leicht, locker und unbeschwert, dass der Gegensatz zu den bedrückenden Informationen der Redner umso schärfer zu spüren war. Dabei war er, wenn auch als „Flügelmann“ häufig Impulsgeber, durchaus „Primus inter Pares“: Michael Barenboim, jüngster Spross der Musikerfamilie, führte mit zierlichem Violinton und tadelloser Souveränität durch das spritzige Geschehen. Elegische Töne fügte der Bratscher Amihai Grosz hinzu, dem jedoch Kyril Zlotnikov (Violoncello) an Klangschönheit immer wieder den Rang streitig machte – beide Musiker sind Mitglieder des Jerusalem String Quartet. Nabil Shehata aus Kuwait dagegen, seit kurzem Solokontrabassist der Berliner Philharmoniker, produzierte auf seinem als behäbig verschrienen Instrument immer wieder wahre Temperamentsausbrüche, denen unter anderem Ex-Regierungssprecher Uwe Karsten Heye und Startenor Rolando Villazón lauschten. Der Erlös des ausverkauften Benefizkonzerts geht an die „Ärzte ohne Grenzen“.

Betroffenheit allein angesichts Millionen Flüchtender, tausender Ermordeter und Vergewaltigter helfe zwar nicht weiter, sagte der UN-Sonderberichterstatter für die Menschenrechte im Sudan Gerhart R. Baum anschließend. Kein Land könne es sich mehr leisten, sich ausschließlich um sich selbst zu kümmern, pflichtete Barenboim bei. Und Ruandas Botschafter Eugène-Richard Gasana schlug nach aufrüttelnden Schilderungen eigener leidvoller Erfahrungen versöhnliche Töne an: Die stärkste Waffe des Menschen in Konflikten sei seine Fähigkeit zum Dialog. Nichts anderes sprach aus dem lichtvollen „Forellenquintett“.

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