Der Tagesspiegel : Das Beste zum Schluss

Mit der Ausstellung „Remember everything“ verabschiedet sich die Galerie Max Hetzler aus Wedding.

Foto: Mike Wolff
Foto: Mike Wolff

Ein Galerist schließt die spektakulären Räume in Wedding und verteilt sein Engagement künftig auf Paris und Berlin. Das gäbe sofort Anlass zu Spekulationen – zum Standort Berlin oder dem standing der Galerie. Bloß im Fall von Max Hetzler gibt es das nicht. Allein die großartige letzte Schau in der Fabrikhalle legt offen, weshalb er sich räumlich wie geografisch neu orientiert. „Remember everything. 40 Jahre Galerie Max Hetzler“ bricht schon im Titel mit der gewohnten Strenge. Die Arbeiten von 21 Künstlern, darunter Bridget Riley, Jeff Koons, Ernesto Neto, Rebecca Warren, Günther Förg oder Thomas Struth, rufen zugleich wach, was man im Tagesgeschäft vergisst: Was für eine elementare Funktion diese Galerie im Kunstbetrieb innehat. Wie viele Künstler von Hetzler früh entdeckt wurden, denen er und sein Team zu internationalem Erfolg verhalfen. Dennoch stand nach vier Dekaden, die die Galerie von Stuttgart über Köln nach Berlin gebracht haben, ein Fazit an. Und, als Konsequenz daraus, eine Akzentverschiebung.

An die Stelle der Halle treten ab 2014 zwei architektonisch differente Ausstellungsorte. Aus der ehemaligen Wohnung der Familie Hetzler in der Bleibtreustraße ist eine Galerie mit privatem Charakter geworden, in der aktuell Gemälde von Joan Mitchell zu sehen sind. Die zweite Adresse befindet sich im ehemaligen Postamt von Charlottenburg. Ein Ort, der entfernt an die Fabriketage erinnert, sich aber maßstäblicher zu kleinformatigen Arbeiten verhält – das beweist die Ausstellung von Christoph Niemann, die hier noch bis Januar zu sehen ist.

Der Umzug sei nicht zuletzt ein Zugeständnis an die Künstler, erklärt Hetzler, die sich in Wedding ausbreiten und Projekte von fast musealen Dimensionen verwirklichen konnten. Doch die Vokabeln verjüngen, erweitern und umziehen gehörten nun einmal zum Konzept einer Galerie, die auch im nächsten Jahrzehnt noch ihre Rolle spielen will. Die Konkurrenz auf dem globalen Feld wird härter, wenige Großgalerien buhlen um die Arbeiten mit hohem Marktwert. „Da müssen wir den Künstlern etwas anbieten, um mithalten zu können“, sagt Hetzler und meint auch die künftige Pariser Dependance, die seine Frau Samia Saouma im Trendbezirk Marais leiten wird. Viel Beständigkeit also und etwas Bewegung: So bleibt sich die Galerie Hetzler auch im 41. Jahr treu. Christiane Meixner

Galerie Max Hetzler, Oudenarder Str. 16-20; bis 21.12. Di–Sa 11–18 Uhr