Der Tagesspiegel : Der fast perfekte Banküberfall Eine ARD-Doku über den „Coup von Zehlendorf“

Sonja Pohlmann

Es war ein Coup, der die Berliner Polizei zum Gespött der Öffentlichkeit machte: Vier schwerbewaffnete Räuber überfallen eine Bank, nehmen 16 Angestellte und Kunden als Geiseln und verlangen 17 Millionen Mark Lösegeld, dazu ein Auto und einen Hubschrauber, um flüchten zu können. Nach mehreren Stunden der Belagerung entschließen sich die Beamten vom Sondereinsatzkommando zum Sturm in die Bank – doch die Täter sind längst verschwunden. Als die Ermittler das Gebäude durchsuchen, entdecken sie das Geheimnis der unbemerkten Flucht: Ein Tunnel, der bis unter der Keller der Bank reicht. Von den Tätern in monatelanger Arbeit selbst gebuddelt.

Es ist der berühmte „Coup von Zehlendorf“, der den Geiselnehmern in der Nacht zum 28. Juni 1995 im wohlhabenden Berliner Stadtteil gelingt. Der Autor und Regisseur Gunter Scholz hat ihn jetzt für die ARD-Bankräuberreihe „Geld her!“ verfilmt.

Während die Täter – vier Syrer, ein Libanese und ein Deutscher – die Polizei damit ablenkten, das Lösegeld zu besorgen und einen Befreiungsstrategie für die Geiseln zu erarbeiten, räumen sie selbst die Schließfächer der Zehlendorfer Kundschaft aus. Im Film schildern die Geiseln, wie sehr sie in diesen Stunden um ihr Leben fürchteten. Gefesselt und mit Jutetaschen auf dem Kopf, mussten sie auf dem Boden ausharren. Immer wieder drohten die Verbrecher, auf sie zu schießen. Doch irgendwann war von den Räubern nichts mehr zu hören. Einige Geiseln befreiten sich selbst, gaben der Polizei ein Signal und die schlug zu.

Im Film wird deutlich, wie sehr der durchdachte Fluchtplan selbst erfahrene Beamte faszinierte. Sie erzählen in der Dokumentation von ihrer spannenden Jagd nach den Tätern – denen sie am Ende über eine leerstehende Garage auf die Spur kamen. Den Ruf, die dümmste Polizei Deutschlands zu sein, wie eine Zeitung damals schrieb, wollten sie nicht auf sich sitzen lassen. Sonja Pohlmann

Geld her! – Der Coup von Zehlendorf, 21 Uhr, ARD