Der Tagesspiegel : Full House

Die Pariser Messe Fiac punktet mit neuer Qualität.

Stefan Kobel
Stahlwerk. Fotos von Ludwig Windstoßer aus den 50ern bietet die Galerie Kicken. Foto: Estate of L. Windstosser/Courtesy Kicken Berlin
Stahlwerk. Fotos von Ludwig Windstoßer aus den 50ern bietet die Galerie Kicken. Foto: Estate of L. Windstosser/Courtesy Kicken...

Größer, schöner und spannender ist die Pariser Fiac in diesem Jahr. Mit der Wiedereröffnung des Salon d’Honneur im Obergeschoss des Grand Palais steigt die Zahl der ausstellenden Galerien auf 182. Dass die Qualität darunter nicht leidet, macht schon die Auswahl der im Salon vertretenen Galerien deutlich. Jocelyn Wolff, Bortolami und GB Agency gehören dazu – das Segment der Etablierten unter den jüngeren Galerien. Auch die Dichte an Berliner Galeristen fällt auf: Guido Baudach, Klosterfelde, Johann König und Meyer Riegger. Die Auswahlkriterien für diese Sektion, die eigentlich keine ist, bleiben allerdings im Dunkeln. Martin Klosterfelde sagt dazu nur: „Wir sind hier oben mit lauter Kollegen, die sich schätzen und respektieren. Das ist alles sehr stimmig.“

Diese Einschätzung gilt fast für die gesamte Schau. Die frühere, nur durch lokalpolitische Sachzwänge erklärbare Präsenz französischer Kitschgalerien gehört nahezu der Vergangenheit an. Schon 2011 zeichnete sich mit der Integration des jungen Segments eine Trendwende ab. Im Südflügel präsentiert sich nun bis auf wenige Ausnahmen ein best of der internationalen Avantgarde wie sonst auf der Liste in Basel, der Frieze oder Sunday Art Fair in London oder der Turiner Artissima. Im Gegensatz zum auf den schnellen Umsatz getrimmten Kunstzirkus andernorts versuchen die Aussteller mit Inhalten zu punkten. Eine auf dem Boden liegende, verdrehte Kühlschrankdichtung von Michael E. Smith aus Detroit (4000 Euro), wie sie KOW aus Berlin präsentieren, dürfte in London weit weniger Beachtung finden. In Paris sei das anders, meint Alexander Koch: „Die Intensität der Gespräche ist stärker, wir können unsere Positionen weit besser vermitteln.“

Der Südosten und der Osten sind in Paris exemplarisch vertreten. Mit Galerien, die man momentan häufig sieht: The Third Line (Dubai), Plan B (Cluj/Berlin), Rodeo (Istanbul), Zak Branicka (Krakau/Berlin) oder Kisterem aus Budapest. Deren Direktorin Margit Valkó zeigt sich glücklich: Sie nehme zur Zeit an vielen Messen teil, weil der Kunstmarkt in Ungarn noch ein zartes Pflänzchen sei und die Umsätze im Ausland erwirtschaftet werden müssten. Sie weiß natürlich, dass sie es mit ihrer Provenienz in der Messewelt gerade relativ leicht hat. Den Vertrauensvorschuss zahlt Margit Valkó zurück und zeigt an ihrem kleinen Stand die sperrige Installation „Megashelter“ von Tamás Kaszás (18 000 Euro).

Kuratoren und etwas wagemutigere Sammler wissen die neue Frische der Fiac zu schätzen und kommen wieder zahlreicher nach Paris. Und nicht nur sie. In der Haupthalle fällt der Anteil internationaler Großgalerien auf: Paula Cooper, Metro Pictures, Matthew Marks, Cheim & Read. Gerade die Liste der US-Amerikaner ist lang. Aus Deutschland kommen 29 Teilnehmer, darunter Kicken, Bärbel Grässlin oder Esther Schipper. Frankreich bietet bloß noch ein Drittel auf. Da droht andererseits die Gefahr des Immergleichen, wie London und Basel zunehmend demonstrieren. Doch der französische Markt ist anspruchsvoll und legt Wert auf lokale Färbung. Iwan Wirth (Hauser & Wirth) weiß das und reagiert: „Je mehr Messen wir machen, umso präziser müssen wir arbeiten. Rita Ackermann ist in Frankreich sehr präsent, Paul McCarthy hat in Paris viele Fans. Die beiden hier gegenüberzustellen, ist sehr spannend.“

Vor allem aber verfügt Paris über ein kaufkräftiges Publikum. Eine große Skulptur von McCarthy kostet immerhin zwei Millionen US-Dollar. Dass die Stadt das Potenzial für solche Ware hat, zeigt der erst Messetag: Helly Nahmad aus New York fand einen Käufer für eine Arbeit von Joan Miró, die mit acht Millionen US-Dollar ausgepreist war. Der Pariser Zweig der italienischen Händlerfamilie Tornabuoni hat ein „Concetto Spaziale“ von Lucio Fontana für zwei Millionen Euro verkauft. Und bei Contemporary Fine Arts (Berlin) waren die Gemälde von Gert und Uwe Tobias bei Preisen bis 110 000 Euro zur Vernissage nach vier Stunden ausverkauft. Stefan Kobel

Fiac Paris, bis 21.10., www.fiac.com

0 Kommentare

Neuester Kommentar