Als Tourist in der eigenen Stadt : Übernachten im Camping-Club Breitehorn

Schwäne, Segelboote und der wohl längste Pool der Stadt: Unser Autor zeltet im Berliner Camping-Club Breitehorn.

Yann Schmidt
Der längste Pool Berlins.
Der längste Pool Berlins.Foto: Yann Schmidt

Vom Zoologischen Garten sind es nur 30 Minuten mit dem Bus und ein paar zu Fuß, dann steht man mitten im Märchenland. Zumindest erwecken die Straßenschilder den Eindruck. „Im Eulengrund“ steht darauf, oder „Waldschluchtpfad“.

Doch das Ziel ist noch nicht erreicht. Den Rucksack auf dem Rücken geht es über die Hauptstraße von Kladow. Der Bürgersteig fällt leicht ab, links gießt eine Frau ihre Blumenkästen im ersten Stock, rechts ragen Laubbäume auf. Schließlich eine Hinweistafel: „Landschaftsschutzgebiet“. Kurz danach hat man ihn gefunden: den Berliner Camping-Club e.V. Breitehorn.

Es ist der wohl längste Pool Berlins

An der Rezeption erwartet einen das Du, außerdem die Platzordnung und der Bestellzettel für die Brötchen am nächsten Morgen. Schnell das Zelt aufgebaut und an den Pool. Es ist der wohl längste Berlins, mit Sandstrand und Entenküken darin. Auch ein Schwan schwimmt auf der Havel. Grüßend verrenkt er den Hals, hält aber höflich Abstand.

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Die Sonne spendet goldenes Licht. Am Ufer spazieren Paare jeden Alters gemütlich ihrer Wege, schauen aufs Wasser. In der Ferne ziehen langsam kleine Segelboote vorbei.

Seit 1953 existiert der Campingverein. Wer seinen Wohnwagen auf Dauer aufstellen will, wird Mitglied. Manche sind schon länger als 50 Jahre dabei. Jeden März bauen sie auf und im Oktober wieder ab.

2019 droht die Schließung

2014 brannten die Sanitäranlagen nieder, das Bezirksamt war alarmiert, wollte die Camper sofort vom Platz haben. Man einigte sich auf eine Schutzfrist. 2019 läuft sie aus, doch der Verein wehrt sich. Einer der Gründe, warum der Camping-Club nicht auf ein anderes Areal ausweichen möchte, ist das Leitungswasser. Direkt unter dem Platz statt in einer Kläranlage aufbereitet, soll es besser sein als in einigen Teilen der Stadt. Den Förster weiß der Verein auf seiner Seite. Ihm sind Camper lieber als eine mögliche Bebauung des Areals.

Den Kindern auf dem Spielplatz, die am Abend WM nachspielen, ist das egal. Die spazierenden Rentner sitzen inzwischen vor ihren Wohnwagen, jemand zupft auf einer Gitarre, ein Mann wäscht sein Geschirr ab, ein Mädchen schickt einen Federball mit einem festen Schlag zurück in Richtung Vater. Oben am Himmel fliegt langsam ein Flugzeug über all ihre Köpfe. Ob es wohl die Familie vom Bodensee an Bord hat, die hier gerade Urlaub gemacht hat? Oder die aus Norwegen?

Das Wasser schmeckt übrigens wirklich vorzüglich.