Wie Sumpfkohl wohl schmeckt? Mal probieren

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Auf Kanutour in der Uckermark : Zu Besuch bei den Bibern
Meiken Endruweit
Grüner wird’s nicht. Auf der Tour kann man Seerosen, Beinwell und Mädesüß sehen. Sumpfkohl schmeckt allerdings furchtbar bitter.
Grüner wird’s nicht. Auf der Tour kann man Seerosen, Beinwell und Mädesüß sehen. Sumpfkohl schmeckt allerdings furchtbar bitter.Foto: Marcus Franken

Mit geübtem Schwung bahnt uns die Kanuführerin einen Weg durchs Grün. Dann öffnet sich schon wieder der weite Himmel. Und hoch oben schwebt ein Seeadler. Ein paar Meter weiter steht ein Baum, unter seinen Ästen ist ein Holzhaufen zu erkennen. Wir bremsen das Kanu ab und liegen vor der etwa anderthalb Meter hohen Biberburg. „Wo ist denn der Biber?“, will meine jüngere Tochter wissen, „den seh’ ich gar nicht.“ Tatsächlich schläft die Attraktion tagsüber viel, aber wir finden Spuren. „Jetzt hört er uns wahrscheinlich, aber er fühlt sich in seiner Burg sicher. Dass sie bewohnt ist, sehen wir am frischen Holz in der oberen Schicht“, erklärt Bennett. Eine Biberburg funktioniert wie ein Komposthaufen: Oben legt der Biber nach, unten verrottet das Material. Um die Burg herum stehen besondere Pflanzen: Wasser-Schwaden, Sumpfkohl, Beinwell, Mädesüß, Sumpfampfer, Wasserminze. „Das ist der Garten des Bibers. Hier siedeln sich Pflanzen an, die ihm schmecken.“ Wir dürfen auch mal probieren. Der Sumpfkohl schmeckt wie Rauke. „Boah, ist der bitter“, meine Große schüttelt sich.

Aus unserer Perspektive knapp über der Wasseroberfläche sind wir den Pflanzen und Tieren im Wasser ganz nah: Frösche quaken und platschen ins Wasser, Libellen und andere Insekten schwirren umher, es gibt unter den Seerosenblättern die Gelege der Wasserschnecken, durchsichtige, klebrige Kügelchen, und verschiedene Schnecken und Muscheln. Ihre leeren Gehäuse fischen die Kinder begeistert aus dem Wasser.

Plötzlich droht das Boot zu kentern

Da passiert es fast: Die kleine Tochter lehnt sich mit Schwung zur Seite, um ein besonders großes Posthornschneckenhaus einzusammeln. Doch blitzschnell tariert Bennett das Kanu aus, sonst wären wir wohl doch noch alle baden gegangen.

Ein paar Seerosen dümpeln unbeteiligt auf der Welle, die unseren Beinaheunfall verursacht hat. „Die Seerosenwurzeln, die hier treiben“, fährt Bennet ruhig fort, „sind von den Bibern hochgezogen. Die knabbern an den frischen Trieben.“ Die entwurzelten Rosen treiben weiter, bleiben woanders hängen, siedeln sich dort an. Der Biber sorgt so für ihre Verbreitung. Auch den Weiden hilft er dabei: Da er gern Weidenrinde frisst, fällt er manchmal die Bäume, dann wachsen aus einem Stamm viele neue Triebe. „Die Schneisen, die ihr hier im Schilf seht, sind Biberrutschen“, erklärt Bennett auf dem Weg zurück. Schilf ist der Hauptbewuchs des Überflutungsmoors. Und es trägt zum langsamen Wachsen des Moores bei: Im Winter brechen Stürme und Eisschollen das Schilf, es beginnt zu verrotten, kann sich aber nicht vollständig zersetzen, da die Polder immer wieder unter Wasser stehen. So entsteht Torf, der typische Moorboden: Er bindet Kohlendioxid und nimmt bei Überflutung das Wasser auf wie ein Schwamm – ein wichtiger Effekt für den Hochwasser- und den Klimaschutz.

Nach ein paar Stunden gleiten wir zurück in die Oder und treffen das erste Mal wieder auf Menschen – und ihren Lärm. Doch jetzt hören wir auch die Vogelstimmen, die von jenseits des Deiches herüberklingen und in ihrer Vielfältigkeit zeigen, wie schön es ist, wenn der Mensch einfach mal alles in Ruhe gedeihen lässt.

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