Homophobe Arschlöcher und Nazis fliegen raus

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Greifswald zählt zu den bedeutendsten Städten entlang der Europäischen Route der Backsteingotik.
Greifswald zählt zu den bedeutendsten Städten entlang der Europäischen Route der Backsteingotik.Foto: imago/Torsten Becker

Rostock

„Keine Fotos“, sagt der Türsteher im Jugendalternativzentrum JAZ. Junge Mädchen in ausgelatschten Doc Martens und Jungs in schwarzen Converse schlurfen an ihm vorbei. „Was denn los, Alter“, sagt ein Punk zu einem anderen und geht, die Antwort nicht abwartend, in den Nebenraum, wo sich die Bar befindet. Er prostet einem Mädchen mit Pony, Jeansjacke und Minirock zu und plumpst auf eine Europalette. Ein Iro wippt zu den Gitarrenklängen der Dead Kennedys. Bierflaschen. Ein Einhorn an der Wand, eine Diskokugel an der Decke, Schilder mit Warnungen vor K.-o.-Tropfen. Hier versammelt sich Rostocks Punkszene. Rau, dreckig, fast wie Berlin.

Doch wer Bier trinkt, sollte essen, und zwar deftig. Im „Ursprung“, gleich neben der Petrikirche, werden Backkartoffel, Steak und Burger serviert und auf Leinwand Fußballspiele übertragen. Aus den Lautsprechern raunzt Marco Wanda „Bologna“ und im Keller, wo die Schallplatten an Wände und Decke montiert wurden, tritt eine Liveband auf.

Richtig gute Abende fangen jetzt erst an und führen in Rostock in den „Bunker“. Das ist der Nachfolger der „Gerberei“, jenem Club, der die Technoszene in Meck-Pomm mitgeprägt und vor drei Jahren geschlossen hat. Im Bunker riecht es nach Lack und „wahrscheinlich nach all dem, was über die Abende hier so verschüttet wird“, sagt Kellnerin Sine.

Im Raucherraum und zwischen Wohnzimmerlampen sitzen junge Männer in Jeans und Sneakers und Mädchen in Röcken. Die roten Kinosessel klappen nach hinten, wenn der Daraufsitzende aufsteht, um seine Zigarette auszudrücken, oder in den Darkroom nebenan geht. Die Abende im Bunker enden meist um fünf, manchmal auch um zehn Uhr morgens. Diesmal ist „Prodigy“-Night und die Laserlichter blitzen bis in das in die Wand integrierte Aquarium, in dem kleine Fische dümpeln.

Greifswald

Von außen sieht das „Ikuwo“ wie eine bürgerliche Villa aus und passt sich in das Bild der Greifswalder Innenstadt ein, in der rote Backsteinhäuser stehen, die man so auch in Schweden finden würde. Drinnen dann die volle Ladung linkes Hausprojekt, vollgeklebte Wände, die Besucher wissen lassen: „homophobe Arschlöcher fliegen raus“, Nazis auch. Jeden Mittwoch wird hier Tischtennis gespielt, am Donnerstag über Politik diskutiert und am Wochenende gefeiert. Im oberen Stock wohnen manchmal Musiker. Im Keller befinden sich Proberäume für Bands. Greifswald ist eine Studentenstadt, hier findet man von Dreadlocks über North-Face-Jacke bis Bauchtasche alles. An der Bar kommt man schnell ins Gespräch und trinkt billiges Bier.

Neubrandenburg

Tom Pochert habe den Havanna Club nach Neubrandenburg gebracht, sagt der Betreiber des „Foyercafes“ im Schauspielhaus über sich selbst. „1999 tranken 80 Prozent der Leute hier Cuba Libre und rauchten Zigarre.“ Heute bestellen die Gäste, darunter ein verlässlicher Anteil aus dem Studenten- und Theatermilieu, bunte Cocktails und, so wie es sich für das bordeauxrote Theaterambiente gehört, den farblich dazu passenden Wein. Wenn es keine Vorstellung gibt, wird im Foyercafe geraucht und so lange gefeiert und geschnackt, wie die Leute eben da sind, sagt Pochert. Die Musik passt er den Gästen an, kaum Mainstream, dafür smoothen Electro und alternativen Rock. Wenn man in Neubrandenburg was machen will, dann hier.

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