Berliner Schnauzen : Gangstas unter den Paarhufern

Die Addax-Antilopen tragen das X nicht nur im Namen, sondern auch mitten im Gesicht. Rapper Xzibit muss ziemlich neidisch sein.

Ihr natürlicher Lebensraum ist die Wüste auf dem afrikanischen Kontinent: die Addax-Antilope.
Ihr natürlicher Lebensraum ist die Wüste auf dem afrikanischen Kontinent: die Addax-Antilope.Foto: imago/Ardea

Erinnert sich noch jemand an Xzibit, diesen Rapper, der Anfang der 2000er ein paar Hits hatte und ziemlich auf den Buchstaben „X“ stand? Nein? Egal. Er muss jedenfalls ziemlich neidisch auf die Addax-Antilope sein. Die trägt das X nämlich nicht nur – inklusive einer catchy Alliteration – naturgemäß im Namen, sondern auch mitten im Gesicht. Face-Tattoo quasi. Weitere Gangsta-Gemeinsamkeiten: Weltweit leben mehr Vertreter dieser Gattung in Gefangenschaft („menschlicher Obhut“) als in Freiheit. Auch gibt es unter ihnen recht schnell Stress, bei den Männchen vor allem, wenn Weibchen in der Nähe sind.

Deshalb ziehen die männlichen Tiere, sobald sie geschlechtsreif sind, gemeinsam von dannen, leben in sogenannten Junggesellenverbänden. Aber auch innerhalb einer Weibchengruppe, wie sie hier im Berliner Tierpark besteht, gibt es eine strikte Rangordnung. Heißt: Die Chefin darf als Erste zum Futter. Und weil natürlich eigentlich genug für alle da ist und es wirklich nur darum geht, zu zeigen, wer die Coolste ist, darf die beste Freundin auch mit.

Im Tierpark haben gerade Mari und ihre Tochter Amy das Sagen, ihnen folgen drei andere Weibchen. Hinter diesen rangieren nur noch die deutlich zierlicheren und schwächeren Mohrgazellen, die gemeinsam mit den Antilopen in einem Gehege leben. Zwischen den beiden Tierarten gebe es aber keine Kämpfe, sagt die Tierpflegerin, die Mohrgazellen wüssten um ihre körperliche Unterlegenheit und ließen den Addax-Antilopen den Vortritt. Diese Chabos, muss man sagen, wissen eben, wer der Babo ist.

Der eigentliche Babo lebt hinter Gittern

Ihr natürlicher Lebensraum ist die Wüste auf dem afrikanischen Kontinent, der Berliner Sommer hat ihnen dieses Jahr also gut gefallen. An heißen Tagen chillen die fünf Weibchen mit ihrem schneeweißen Fell und den elegant geschwungenen Hörnern gern im Schatten, im Herbst springen sie auf der Wiese herum oder cornern im beheizten Stall. Wie die meisten Wüstentiere sind die Addax-Antilopen eher nachtaktiv. Tagsüber beobachten sie argwöhnisch alles, was ihnen verdächtig und uncool vorkommt. Einmal, erzählt die Pflegerin, sei ein weißer Hund mit einer Weihnachtsmütze am Zaun vorbeigelaufen. Das habe die Antilopen fast an den Rand der Weißglut getrieben, na ja, zumindest an den Rand des Geheges.

Der eigentliche Babo lebt allerdings hinter Gittern, in Einzelhaft. Er heißt Klaus. Weil dieser Addax-Macker – wie viele Babos – einen krassen Sexualtrieb hat (bereits vor der offiziellen Geschlechtsreife zeugte er ein Kind!), bekommt er nur frühmorgens ein bisschen Freigang auf dem Gelände und darf sich austoben, wenn die Weibchen noch im Stall sind. Den Rest des Tages verbringt er drinnen mit Fressen und Trainieren – er kämpft gegen einen Baumstamm. Und wenn’s richtig langweilig wird, muckt er bei den Pflegern auf. Stress ohne Grund halt. Damit ist die Addax-Antilope wirklich so was wie der Gangsta-Rapper unter den Paarhufern. Noch cooler wäre sie nur, würde sie sich „Addaxxx“ schreiben.

Addax-Antilope im Tierpark

Lebenserwartung: Bis zu 25 Jahre

Futter: Blätter und Äste

Interessanter Nachbar: Giraffe