Berliner Schnauzen : Warum man sich mit Sattelstörchen besser nicht anlegen soll

Man sieht es den eleganten Schreitvögeln nicht an, aber sie sind grundsätzlich böse. Ein Pfleger im Berliner Tierpark bekam dies schmerzhaft zu spüren.

Tatwaffe Schnabel. Wer einem Sattelstorch zu nahe kommt, muss mit Hackattacken rechnen.
Tatwaffe Schnabel. Wer einem Sattelstorch zu nahe kommt, muss mit Hackattacken rechnen.Foto: imago/Blickwinkel

Der Sattelstorch unterscheidet sich vom Klapperstorch nicht, wie man meinen könnte, dadurch, dass er die kleinen Kinder im Sattel sitzend anreiten lässt, statt sie in einem Tragebeutel herbeizuschaffen. Er hat mit der Kinderproduktion rein gar nichts zu tun. Ohnehin ist die Geschichte vom kinderbringenden Storch nur schwer nachvollziehbar. Störche nämlich sind, wie Kurator Dr. Rainer Kaiser anmerkt, „grundsätzlich böse Vögel“.

Man sieht es ihnen nicht an, auch nicht dem Sattelstorch, der elegant und stolz durch sein Gehege im Tierpark schreitet. Aber ein Pfleger, der sich einmal in einer Herrn Sattelstorch nicht passenden Weise Frau Sattelstorch näherte, bekam die geballte Boshaftigkeit des Herrn zu spüren. Ein kräftiger Hack mit dem langen Schnabel, und der Pfleger musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Der Storch ist also wehrhaft, was ihm natürliche Feinde weitgehend vom Hals hält.

Seine Größe von bis zu 150 Zentimetern ist imposant, außerdem ist er flucht- und flugfähig mit einer Flügelspannweite von 270 Zentimetern. Allein der Leopard versucht mitunter sein Glück im südlichen Teil Afrikas, wo der Sattelstorch sich gemeinhin aufhält. Ja, Afrika, obwohl er rein optisch als deutscher Vogel durchgehen könnte. Schwarz sind Kopf und Hals, rot ist der Schnabel gefärbt, und oben auf dem Schnabel sitzt der Sattel, der ihm den Namen gibt, und der ist leuchtend gelb, nahezu gülden. Schwarz-Rot-Gold, da kann der Bundesadler nicht mithalten.

Die dünnen Beinchen brechen leicht

Ansonsten sind sich die beiden im Tierpark innig zugetan, nur mit dem Nachwuchs will es nicht so recht klappen. Was nicht daran liegt, dass der Zeugungsakt wie bei allen Schreitvögeln und Aufreitern ein ziemlich halsbrecherischer Akt ist. Den beherrscht unser Paar, kennt es ja nicht anders, Madame hat auch schon Eier gelegt ins große, selbstgebaute Nest, nur geschlüpft ist noch kein Jungstorch.

Wären die Sattelstörche nicht so zänkisch, könnten sie ja mal beim Klapperstorch nachfragen. Aber Versuche, sie mit anderen Störchen in ein Gehege zu packen, endeten mit wüsten Hackereien und würden den Storchenbestand im Tierpark schnell reduzieren. Also leben sie paarweise, ernähren sich hier in Berlin von Küken, Fisch und Mäusen, südlich der Sahara kämen noch Schlangen, Frösche, Heuschrecken, Krebse und Schnecken dazu.

Sie sind leicht zu halten, etwas kompliziert ist nur der Transport ins beheizte Winterquartier. Dazu muss erst einmal die Tatwaffe Schnabel fixiert werden, dann muss der Vogel mit seinem Gewicht von etwa sechs Kilo behutsam getragen werden. Die dünnen Beinchen brechen allzu leicht, und ein Storch mit gebrochenen Beinen ist praktisch ein toter Storch, er muss eingeschläfert werden.

Und Nachwuchs ist ja offenbar nicht zu erwarten. Lediglich im Zoo von Cottbus gelangen bereits fünf Nachzuchten. Auch denen geht es gut. Besser jedenfalls als ihren Artgenossen im Süden der Sahara. Die Sattelstörche werden zwar als nicht gefährdet eingestuft, weil sie ein riesiges Verbreitungsgebiet haben, aber dieses wird zunehmend kleiner durch Bebauung und ungenießbar wegen der versprühten Pestizide.

Womit wir wieder beim Menschen wären, der Störche zwar zur Nachwuchspflege gutheißt, ihnen aber, wie er es bei allen Tieren macht, den Lebensraum beschneidet.

Sattelstorch im Tierpark

Lebenserwartung:  In Obhut bis zu 35 Jahre

Interessanter Nachbar: Alpaca