Beziehungscoach über Politikerehen : Viele Prominente müssen ihre Trennung zelebrieren

Altkanzler Schröder hat seine Exfrau Doris angeblich aufgefordert, seinen Nachnamen abzulegen. Warum enden so viele öffentliche Ehen in Plänkeleien?

Sebastian Krüger
Das Ehepaar Schröder trennte sich 2016.
Das Ehepaar Schröder trennte sich 2016.Foto: DPA/Jochen Lübke

Herr von Huchting, warum interessieren wir uns für die Eheprobleme der Reichen und Mächtigen?

Es gibt die Auffassung, dieses Tratschen und Klatschen sei uns angeboren. Es ist sozial, schafft Vertrauen und Nähe und stärkt den Zusammenhalt. Man stärkt auch seinen eigenen Stellenwert, indem man jemandem etwas erzählt, was er noch nicht weiß. Außerdem soll der Blick auf Promis uns Hoffnung geben und die Angst nehmen. Wenn es bei denen mal nicht klappt, lenkt uns das vom eigenen Versagen ab.

Trennen sich hochrangige Politiker anders als der Durchschnittsbürger?

Wie es hinter den Kulissen abläuft, können wir nicht beurteilen. Aber solche Menschen müssen sich anders trennen, weil sie anders leben. Viele Prominente nutzen soziale Medien und posten dort jedes Brötchen. Sie etablieren ihren Status und machen damit Geld. Daher müssen sie auch Ereignisse wie Trennungen öffentlich zelebrieren. Beim Beispiel von Schröder und Schröder-Köpf sind die Machtinteressen anders als bei den meisten Paaren. Herr Schröder ist ein Machtmensch durch und durch. Diese Macht möchte er sich bewahren und zum Beispiel darüber bestimmen, was mit seinem Namen, der ja auch eine Marke ist, passiert.

Hatten Sie schon solche Klienten?

Ja, häufiger. Da geht es oft darum, welchen Namen die Kinder tragen. Aber auch Nicht-Prominente sind empfindlich, wenn es um den Namen geht. Gerade war ein niederländisches Paar bei mir. Das Namensrecht dort ist anders: Wird ein uneheliches Kind geboren, trägt es automatisch den Namen des Vaters – in Deutschland ist es genau andersrum. Das beeinflusst die Außenwirkung der Scheidungsparteien: Wer ist der Wichtige, der seinen Namen durchsetzt?

Mit welchen Problemen haben Paare, die in der Öffentlichkeit stehen, zu kämpfen?

Die kämpfen eigentlich mit sich selbst. Gerade Ehen, die am besten den Stellenwert oder die Followerzahl aufbessern sollen, sind in der Regel narzisstische Liebesbeziehungen – sie sollen den eigenen Selbstwert erhöhen. Wenn so was dann zu Ende geht, hat das, wie an der Börse, etwas mit sinkenden Kursen zu tun. Auch das persönliche Gefühl, aus dem Rampenlicht herauszutreten, ist schwer zu verkraften – mal ganz davon abgesehen, dass es auch auf der emotionalen Ebene sehr schwer ist. Die Leute tun sich ja nicht nur aus Berechnung zusammen – zumindest nicht alle.

Was bedeutet es für einen Menschen, verlassen zu werden?

Das ist eine der größten Katastrophen, die wir uns vorstellen können. Das berührt unser Innerstes, man genügt sich selbst als Person nicht mehr. Wenn ich verlassen werde, wird mir meine gefühlte Liebenswürdigkeit entzogen. Das kann fatale Folgen haben bis hin zu schweren Depressionen.

Spielen Scham und Tabus eine Rolle?

Auf jeden Fall, auch wenn wir denken, wir hätten uns davon freigemacht. Wir haben ja einen Plan, wie wir zusammenleben möchten. Es ist schwer, zuzugeben, dass dieser Plan gescheitert ist.

Es gibt in den vergangenen Jahren, vor allem in den USA, den Trend der Scheidungspartys. Fällt es Menschen heute leichter, das Ende einer Ehe zu akzeptieren?

Das glaube ich nicht. Solche Partys kommen dadurch auf, dass Ehe anders inszeniert wird – jede Einschulung wird heute als großes Fest für Instagram und Facebook gestaltet. Aber generell finde ich es gar nicht schlecht, wenn ich ein offizielles Bekenntnis wie die Ehe durch eine Zeremonie abgegeben habe, dieses auch wieder mit einer Zeremonie zu beenden.

Versuchen Sie Paare, die zu Ihnen kommen, immer zum Zusammenbleiben zu bewegen?

Mein Hauptansinnen ist, dass Bewegung in die Beziehung kommt. Wenn es aber wirklich das feste Ansinnen eines Partners ist, sich zu trennen, dann bin ich da ganz Dienstleister und schaue, dass das möglichst klanglos über die Bühne geht. Oft ist es aber so, dass Paare noch gar nicht alles probiert haben. In der Regel passiert noch mal viel, wenn sich die Leute auf eine andere Art und Weise miteinander befassen.

Gibt es auch friedliche Trennungen?

Auf jeden Fall. Wenn beide bereit sind, das im Miteinander zu erarbeiten. Wichtig ist, dass es keine offenen Baustellen mehr gibt. Solange da noch Vorwürfe sind, kann man sich schlecht mit Respekt begegnen. Die Konten, materiell wie emotional, müssen ausgeglichen sein. Wenn sich herausstellt, dass ein Zusammenbleiben nicht mehr geht, gucke ich, dass die Partner eine gute Trennung hinkriegen. Oft hängen da ja auch noch Familien dran, Kinder – die müssen sich ja alle miteinander arrangieren.

Hergen von Huchting (62) ist Beziehungscoach und Paartherapeut in Berlin. Er bietet Eheberatung an und begleitet Paare auf Wunsch auch durch den Trennungsprozess.