Es ist zuerst der Mensch, der sich falsch verhält

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Cesar Millan : Vom Friseur zum Weltstar: Der Hundeflüsterer
Vom 23. Februar an Cesar Millan mit seiner „Once Upon a Dog-Tour“ in Deutschland unterwegs, am 4. März gastiert er in der Max-Schmeling-Halle in Berlin.
Vom 23. Februar an Cesar Millan mit seiner „Once Upon a Dog-Tour“ in Deutschland unterwegs, am 4. März gastiert er in der...Foto: imago/Pixsell

Die Sprache des Hundes will er seinen Klienten beibringen. „Und deshalb bin ich auch kein Hundetrainer, deshalb trainiere ich Menschen.“ Unter diesen Menschen befindet sich halb Hollywood. Oprah Winfrey hat sich mit ihrem Cockerspaniel an Millan gewandt, Will Smith und Scarlett Johansson. Ich stelle mir vor, wie Scarlett Johansson versucht, sieben Hunde auszuführen. Hat er wirklich sie trainiert? Ja, antwortet er knapp. So wie Stars einen Personal-Trainer engagierten, bräuchten sie auch jemanden, der ihnen zeigt, wie sie ihren Hund besser verstehen.

Die deutsche Zoologin Kate Kitchenham, ebenfalls aus dem Fernsehen als Hundetrainerin bekannt, hält Cesar Millans Theorien über die Sprache der Hunde zumindest in Teilen für wissenschaftlich unhaltbar. Wenn der Mann zur Begrüßung zuerst seine Frau und dann die Kinder küsse, sage das ja auch nichts über die Reihenfolge in der Wertschätzung aus. Genauso sei das beim Hund: Für die Hierarchie im Rudel sei es vollkommen egal, wer als erster durch die Tür geht.

In anderen Punkten sind sich die beiden allerdings bemerkenswert einig: Sie gehen davon aus, dass man die Führungsposition gegenüber einem Hund durch ruhiges, selbstbewusstes Auftreten erlange. Beide warnen, es sei für das Sozialverhalten des Hundes ganz schlecht, wenn er sich langweile und unterfordert bleibe. Beide sagen, es sei zuerst der Mensch, der sich falsch verhalte. Wobei Inkonsequenz der größte Fehler sei, den viele machten. Und beide finden es nicht schlimm, wenn der Hund zu seinem Menschen auf das Bett springe. Solange er das nur auf Einladung tut und sich auch wieder runterschicken lässt.

Er fing zunächst als Hundefriseur an

Es fällt auf, dass Millan die Halsbänder sehr weit oben am Hundehals anlegt. Das schränkt ihre Bewegungsfreiheit ein. Sieht nach Quälerei aus. Ist also etwas dran am Vorwurf, er arbeite mit aversiven Mitteln? Natürlich bestreitet er das, erzählt stattdessen eine andere Geschichte. Cesar Millan ist in Sinaloa, Mexiko aufgewachsen. Dort habe es viele magere Hunde gegeben aber dafür anders als in den USA keine neurotischen. Und die mexikanischen Hunde wüchsen ohne Leine auf, wild und im Rudel.

Schon als Junge habe er lernen müssen, sich auch gegenüber solchen Rudeln durchzusetzen. Dabei und nicht an der Universität habe er viel über die Sprache des Hundes gelernt. In den USA fing er zunächst als Hundefriseur an, bevor er ihr Trainer wurde. Was hält er von Donald Trumps Idee, einen höheren Zaun zwischen seiner alten Heimat und den USA bauen zu lassen? „Wenn die Leute ihn nicht überspringen können, werden sie sich eben darunter durchgraben.“

Accessoires wie das Stachelhalsband habe es in Mexiko nicht gegeben, die habe er erst in den USA kennen gelernt. Und schnell begriffen, dass die Leute gar nicht wüssten, wie man damit umgeht. Wenn überhaupt, dann habe er ihnen gezeigt, wie man solche Dinge temporär nutzen könne.

Duffy hätte das Roastbeefbrötchen genommen

In Deutschland sind solche Halsbänder geächtet, nur in Ausnahmefällen erlaubt. Sie gelten als Tierquälerei. Vielleicht spricht für Millan, dass er mit gefährlichen Hunden gearbeitet hat, solche, die sonst getötet worden wären. Doch eines wird dabei klar: Eine Welt, in der es Geschäfte für veganes Hundefutter gibt und die es vorzieht, auch einen Rottweiler antiautoritär zu erziehen, wird dem einstigen Jungen aus Sinaloa, der am liebsten mit den Worten Respekt und Distanz jongliert, fremd bleiben. Ebenso wie die Haltung, einen Pitbull allein wegen seiner Rassenzugehörigkeit zu verurteilen.

Bekommen seine Hunde eigentlich auch mal ein Leckerli? Natürlich, antwortet Millan und führt ein ganz besonderes Schauspiel auf. Er legt ein Sandwich auf den Boden, wickelt es aus und klappt es auf, bis jeder das Roastbeef sieht. Keiner der sieben Hunde rührt das Brötchen auch nur an. Und die Belohnung? „Timing“, sagt er, „ganz wichtig. Bei jeder Belohnung kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an“. Jeder, der brav wartenden Hunde bekommt einen kleinen Keks.

Wieder zu Hause begrüßt mich Duffy überschwänglich. Keine Frage, er verehrt mich. Oder wenigstens tut er so und wirkt dabei überzeugend. Ich bin mir sicher, er hätte das Roastbeefbrötchen genommen. Aber ich mag ihn trotzdem.

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