Jetzt winkt die Oscar-Nominierung

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Daniel Brühl im Interview : „Niki Laudas rote Kappe war wie ein Ritterschlag“
Daniel Brühl
Daniel BrühlFoto: pa/dpa

Lauda erlaubte sich einen Scherz mit einem TV-Sender, als er sich nach einem Croissant im Gras bückte und rief: „Ich habe mein Ohr wiedergefunden!“

Das kann sich nur er erlauben. In Wien hatten wir ein Live-Interview. Auf die Frage, wie weit er in den Film involviert war, antwortete er: „I hab nix gemacht, nur das Barbecue organisiert.“

Eine Anspielung auf seine schlimmen Verbrennungen vom Unfall 1976.

Dieser trockene Humor kommt gut an.

Inzwischen macht das O-Wort die Runde, der Oscar, der im Februar vergeben wird.

Ach Gott, Christoph Waltz hat zwei Oscars vorgelegt, die Menschen mögen bitte nicht glauben, dass ich dem nacheifere. Ich bin froh, dass ich ausgewählt wurde, in den Kampf zu ziehen.

Sie kommen für die Auszeichnung infrage?

Das Studio hat mich vorgeschlagen, das ist schon entschieden. Nun muss die Academy entscheiden, wen sie nominiert. Es wäre ein Aberwitz, wenn ich dabei wäre.

Geraldine Chaplin hat mal gesagt, ihr schlimmstes Geschenk sei eine Kiste Champagner gewesen, als sie nur mit Handgepäck geflogen ist. Welche Geschenke mussten Sie dieses Jahr auf der Promotiontour ablehnen?

In Kanada saß ich in einer Fernsehshow. Backstage gab es einen Raum, in dem stapelten sich lauter Sachen, von denen sich jeder Gast etwas mitnehmen durfte. Holzmöbel, ich weiß gar nicht, wer die raustragen soll, Winterjacken von Canada Goose, Felle, Strickkleidung. Ich habe für meine Freundin ein paar Cremes und ein Armband mitgenommen. Die eine oder andere Flasche Champagner blieb auch ungeöffnet. Wenn ich zu platt war, um ihn zu trinken, blieb ein Ruinart schon mal im Hotel.

Zu Silvester: Champagner oder Cava?

Dieses Jahr wird es wohl Cava werden.

Weil Sie wieder in Spanien feiern.

Das kann gut sein.

Eine spanische Tradition zum Jahreswechsel ist das Traubenessen. Kurz vor Mitternacht zwölf Früchte, und zwar eine pro Glockenschlag.

Mache ich jedes Jahr. In unserer Familie haben wir aber nie zu den abgepackten Trauben in der Dose gegriffen, die es abgezählt, entkernt und gehäutet in den Supermärkten gibt. Das ist Chichi. Bei uns gibt es frische.

Der Countdown beginnt in Spanien nun 36 Sekunden vor Mitternacht, um den Brauch zu erleichtern. Es soll zu einigen Erstickungsfällen gekommen sein.

Wirklich? Das ist ja noch blöder, als von einer Kokosnuss erschlagen zu werden. Ich mache das nun schon mein Leben lang, da kenne ich ein paar Tricks. Mit der Zunge die eine Traube zur Seite schieben, wenn sie noch nicht durchgekaut ist. Es gibt übrigens noch andere Rituale in Spanien.

Sich rote Unterwäsche anzuziehen, um das Glück in der Liebe zu beschwören.

Ich habe nur rote Socken, was wird das bloß für ein Jahr für mich? Nein, ich meine eine andere Sitte. Wenn ich Cava zu Silvester trinke, tupfe ich mir den Schaum hinter die Ohrläppchen. Bei Champagner ist mir das egal, bei Cava bin ich Traditionalist. Das ist ein Automatismus, meine Mutter hat mir das als Kind schon beigebracht.

Kaufen Sie Knaller?

Ich gucke mir um Mitternacht das Feuerwerk an, der Rest geht mir auf die Nerven. Wenn die ganzen Vollidioten loslegen, das ist schon sehr aggressiv. Knallt es heftig, mache ich mir schon einen Kopf: Was wäre, wenn plötzlich eine Hand oder ein Finger abfliegt? Das passiert nun mal häufiger, als sich an Trauben zu verschlucken.

Es ist Silvesterparty. Bei welchem Lied springen Sie auf die Tanzfläche?

Heutzutage höre ich fast nur elektronische Musik, wenn ich ausgehe. Produzenten und DJs wie Henrik Schwarz finde ich toll. Hm, aber aus Nostalgiegründen tanzen?

Zu Heroes del Silencio, die einzige spanische Rockband, die zu Ihrer Schulzeit sehr populär war?

Nein, geht gar nicht. Blur, „Girls and Boys“, schöner Britpop, da würde ich mich schamlos daran erinnern, wie ich mit 16 Jahren war.

Und zwar?

Damals mochte ich das Maibaum-Setzen. Wir sind alle zusammen tanzen gegangen, dann gingen die Mädels schlafen, die Jungs radelten durch die Stadt, um einen Maibaum zu setzen – das heißt, ein weißes Birkenbäumchen mit Krepppapier. Wer verliebt war, hat sich besonders ins Zeug gelegt. Ich habe zum Beispiel Mixtapes aufgenommen und war maßlos enttäuscht, wenn bestimmte Lieder nicht funktionierten: „Some Girls Are Bigger Than Others“ von The Smiths oder „Bizarre Love Triangle“ von New Order ...

... in dem einen geht es um dicke Mädchen, im anderen um eine Dreierbeziehung ...

... ja, ja, wurde mir später auch klar, dass die nicht so die Liebeslieder sind.

Sie als Kölner mögen Karneval lieber als Silvester?

Nein, ich war regelmäßig enttäuscht, wie lieblos die Verkleidungen waren. Ich stellte mir als Kind ein Szenario wie in Venedig vor, fantasie- und liebevolle Kostüme. Und dann sah ich auf der Straße Frauen, die sich ein Hütchen aufgesetzt, einen bunten Streifen auf die Wange gemalt und am Kiosk ein neongelben Überzieher mit drei schwarzen Punkten gekauft hatten. Nur eine Veranstaltung mochte ich: den Geisterzug, so ein nächtlicher Umzug. Mir gefallen düstere Kostümierungen besser, Vampire, Hexen.

Ihr bestes Kostüm?

Ein Streichholz. Ich trug einen gelben Frottee-Schlafanzug und ein rot bemaltes Gesicht.

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