Die besten Saunen in Helsinki : Finnlands heißester Schweiß

Im Reich der Saunen genügt die alte Holzhütte nicht mehr. Schöner schwitzen im Burger-Laden oder auf dem Riesenrad.

Der nackte Wahnsinn. Die Finnen lieben ihre Saunen, der Kontrast zwischen Hitze und anschließender Abkühlung soll das Immunsystem stärken.
Der nackte Wahnsinn. Die Finnen lieben ihre Saunen, der Kontrast zwischen Hitze und anschließender Abkühlung soll das Immunsystem...Foto: Alamy Stock Photo

Würden alle 5,5 Millionen Finnen zur gleichen Zeit in die Sauna gehen, und zwar auf alle Schwitzkästen im Land verteilt, säßen in jeder kaum mehr als zwei Personen. Finnland ist das Land der tausend Seen, vor allem aber der Millionen Saunen. Für einen Moment wird alles Überflüssige abgestreift. Klamotten ebenso wie Stress. Hintern auf die Bretter. Wasser auf die heißen Steine. Der feuchte Dampf umschlingt den Körper. Die Poren öffnen sich. Was belastet, wird rausgeschwitzt. Anders als in Deutschland, wo selbst beim Entspannen die Uhr gestellt wird, bleibt man hier so lange, wie man sich gut fühlt. Um diese Kultur zu würdigen, hat Finnland ein landeseigenes Emoji entwickelt, auf dem eine Frau und ein Mann zu sehen sind. Nackt, schwitzend, auf einer hölzernen Bank. Wo jene platziert wird, da zeigen sich die Finnen kreativ. Fünf Beispiele aus Helsinki.

Für Hungrige

Einmal Whopper, einmal Cola, einmal Schwitzen bitte. Und schon ist da diese Mischung aus Ekel (Wer will schon mit fettigen Fingern und gespanntem Bauch saunieren?) und Faszination (Verdammt, diese Möglichkeit gibt es wirklich!). Im Erdgeschoss werden Burger gebraten, ein Stockwerk tiefer können Fast-Food-Liebhaber mitten in Helsinkis Zentrum saunieren. Nach Pommes riecht es bis hierher. Im Schwitzkasten hängt ein Flatscreen. Die Fernbedienung funktioniert nicht, also das Kinderprogramm schauen. Ein finnisch sprechender Hund besucht Paris und der Schweiß perlt und tropft zu Boden. Einen halben Liter Flüssigkeit verliert man durchschnittlich während eines Saunagangs. Der Ruheraum gleicht einer gewöhnlichen Filiale mit Sitzbänken und Tischen, dazu XXL-Kühlschranke mit Bier, Cider und Cola. Und eine Playstation – Eishockey oder Fußball. Wer isst, sitzt und schwitzt, bewegt sich so zumindest virtuell.

Die Sauna kann für bis zu 15 Personen gemietet werden. Drei Stunden kosten 280 Euro (ohne Getränke und Essen). Die Filiale befindet sich in der Mannerheimintie 12.

Für Abgedrehte

Einsteigen bitte! Auch wenn das gerade niemand ruft, so hat man beim Betreten des Riesenrads doch diese Stimme im Kopf. Gehört schließlich zum Rummel, so ein Fahrgeschäft. Schießbuden und Hau-den-Lukas gibt’s im Hafen von Helsinki zwar nicht, dafür findet man in dem sich drehenden Rad zwischen normalen Gondeln zwei zum Schwitzen: die erste Sky-Wheel-Sauna der Welt. Saunieren über den Dächern. Eine Runde dauert zweieinhalb Minuten und drehen kann man so viele, wie man will. 40 Meter geht es in die Höhe. Wenn man Glück hat, mit Zwischenstopp ganz oben. Dann bleibt das Riesenrad stehen, die Kabine wippt sanft im Wind und der Aussicht gilt ein kleines Wow. Passagierschiffe im Ostseehafen, Suomenlinna, eine im 18. Jahrhundert entstandene Festung, die auf mehreren miteinander verbundenen Inseln vor Helsinki liegt, der Marktplatz, die alte Markthalle, die Jugendstilgebäude von Katajanokka. Noch ein paar Runden mehr – einer finnischen Studie zufolge vermindert das Saunieren immerhin das Herzinfarktrisiko um 63 Prozent. Im Ruhebereich mit Liegestühlen und kostenfreien Getränken anschließend nachschwitzentspannen.

Eine Stunde kostet für bis zu vier Besucher 240 Euro. Ein eigener kleiner Erholungsbereich samt Whirlpool und Getränken ist inklusive, skysauna.fi.

Für Historiker

Die Isosaari-Insel, die eine 40-minütige Bootsfahrt von Helsinki entfernt liegt, wirkt, als sei sie irgendwann mal eingeschlafen und noch nicht wieder erwacht. Die Häuser stehen leer, der Putz blättert ab, ein paar Fenster sind eingeschlagen. Einst waren hier russische Soldaten stationiert. Krimkrieg 1853 bis 1865. Im finnischen Bürgerkrieg 1918 diente die Insel als Gefängnis. Heute lebt allein ein Mann hier, Sohn eines ehemaligen Soldaten, der nie fortgegangen ist. Über 70 ist er und arbeitet als einer von drei Kapitänen auf dem Isosaari-Schiff, das seit 2017 Touristen aufs Gelände bringt. Die Insel kommt wieder. Langsam. Ein Haus wurde zum Café umgebaut, ein Restaurant gibt es, dazu den alten Golfplatz und drei Saunen. Die größte, in der früher die Soldaten schwitzten, ein grauer Klotz umringt von Grün, ist öffentlich zugänglich. Bis zu 60 Personen haben hier Platz. Weil Frauen und Männer gemeinsam schwitzen, tragen sie Badehose oder Bikini. In Finnland ist das die Regel: nackt nur getrennt. Heute übernehmen ein junger Mann mit Dreadlocks und ein alter Mann mit dickem Bauch die Aufgüsse. Über den hölzernen Steg geht’s danach ins Meer. Zwölf Grad zeigt das Thermometer. Wenn alle drum herumstehen, zählt jammern nicht.

Das Ticket für die Fähre kostet 20 Euro. Mit einem Mietboot kann man auch selbst hinfahren. Der Besuch der Sauna ist kostenlos, visitisosaari.fi.

Für Hippies

Die kleinen bunthölzernen Boxen am Rande des Industriegebiets, in denen Mann und Frau doch gemeinsam nackt sind, gelten in der Stadt als der Hippie unter den Saunen. Gerade wird gehämmert und geschraubt, weil wieder „irgendwelche Idioten“, wie der Mann in Jeans und Holzfällerhemd sagt, eine der bauwagengroßen Saunen angezündet und abgebrannt haben. „Passiert hier öfters. Dann bauen wir’s halt neu.“ Wer dahinter steckt, weiß keiner. Vielleicht der Hass gegen das Unkonventionelle. Seit 2011 gibt es die Sompasauna an der Südspitze des ehemaligen Hafengeländes. Eine Gegend, die, weil keine Schiffe mehr ein- und ausfahren, vor allem aus Baustellen, Schutt und Brachland besteht. Wohnungen sollen entstehen. Bürogebäude und Geschäfte. Bis dahin hat sich eine Gruppe Menschen entschieden, hier einen Treffpunkt zu schaffen. Zunächst illegal, mittlerweile gibt es sogar einen Mietvertrag mit der Stadt. Weil das Saunieren in Finnland quasi ein Grundrecht ist: Schwitzen für alle! Rund um die Uhr und rundum nackt. Allein das Holz für den Ofen muss man selbst hacken. Die Axt liegt draußen.

Die Sauna ist kostenlos und jederzeit zugänglich, sompasauna.fi.

Für alle

Drüben am Ufer hört man einen alten Mann Ziehharmonika spielen. Die Möwen kreischen, der Wind braust und auf der Dachterrasse trinken Menschen mit Vollbart und Hornbrille Bier, während unten in 1A-Ostsee-Lage sauniert und geschwommen wird. 90 Prozent der Finnen gehen mindestens einmal wöchentlich in die Sauna und das Allas bietet ihnen mitten in Helsinki einen Ort, an dem das möglich ist. Schnell erreichbares, unkompliziertes Entspannen. Nahezu einen Hektar des Stadtzentrums nimmt das Spa ein und hat Platz für 3 500 Besucher – im Restaurant, Café, den drei Saunen und drei Pools. Wellness wird gemixt mit Drinks, Erholung mit Sport. Es gibt Schwimmkurse, Aqua Jogging und Saunayoga. Eisschwimmen im Winter und Pop-Konzerte im Sommer. Wissbegierige besuchen den Cleantech Showroom. Wechselnde Ausstellungen beschäftigen sich mit dem Thema Wasser und Ressourcenschonung. Alle, die einfach nur entspannen wollen, legen sich auf das hölzerne Sonnendeck und beobachten die Dampfer, wie sie ein- und ausfahren. Wie sie die Menschen zu den kleinen Inseln oder weit in die Ferne bringen und irgendwann zurückkehren. Der Ziehharmonikamann spielt jetzt ein Lied von den Beatles. Let it be.

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Tagestickets für die Anlage gibt es ab 14 Euro, allasseapool.fi.

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