Was ich vermisse: dass die Menschen in Clubs rauchen dürfen

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Die goldene Nase : Parfum-Produzent Frédéric Malle über die Düfte seines Lebens
Zigaretten, Schweiß Und Parfüm: Im legendären "Studio 54", wo viele Stars gern feierten, überlagerten sich die Gerüche.
Zigaretten, Schweiß Und Parfüm: Im legendären "Studio 54", wo viele Stars gern feierten, überlagerten sich die Gerüche.Foto: imago/Unites Archives

Eine gute Nacht

Ich ging Ende der 70er Jahre aufs College in New York und manchmal nachts ins „Studio 54“, bevor es 1981 schließen musste. In den Laden hineinzukommen, war nie ein Problem für mich. Es half vermutlich, dass ich eine gutaussehende Freundin hatte. Der Türsteher kreierte ein demokratisches Ensemble für die Nacht, er wollte Menschen, die interessant aussahen, Geld spielte keine Rolle. Wenn man ihm einmal vorgestellt wurde, erinnerte er sich später an das Gesicht. Für mich glich das einer Offenbarung: als würde sich das Rote Meer vor mir öffnen und ich könnte hindurchgehen. Liza Minnelli und Andy Warhol neben Studenten und armen Künstlern. Es gab keine Mobiltelefone, niemand machte Fotos, die Leute fühlten sich sicher und taten, was immer sie tun wollten. Die Gäste trugen viel weniger Parfüm als in heutigen Clubs. Klassische Zitrusdüfte von Guerlain, Mandarin- und Vanillenoten von Yves Saint-Laurents „Opium“. Was ich aus dieser Zeit vermisse: dass die Menschen in Clubs rauchen dürfen. Damals tat das jeder, Zigarren, Zigaretten, diese Gerüche überlagerten sich mit Parfüms und Schweiß, das ergab ein ganz spezielles Gemisch. Am nächsten Morgen stanken die Hemden zwar fürchterlich, doch in der Nacht zuvor, wenn der Rauch noch warm war, erfüllte diese Mischung die Nacht mit einem tollen Aroma.

Weihnachten

Ich bin in der Beziehung etwas deformiert, weil ich seit Jahren in den USA lebe. Dort herrschen die stereotypen Düfte von Fichtennadeln und Zimt vor. Als ich ein Kind war, roch Weihnachten anders, nach Soufflé und manchmal der knackig-kalten Luft, wenn der erste Schnee sich mit dem Rauch aus den Schornsteinen vermischte. Ich verbrachte viele Feiertage bei meinen Großeltern väterlicherseits, die Malle-Familie hatte ein Anwesen in Nordfrankreich. Das beste Essen, das ich mir erträumen konnte. Eine sehr bürgerliche Küche, meine Großeltern hatten eine ausgezeichnete Köchin. Weißer Fisch, ein Soufflé, ein bisschen Käse, dazu eine Tomatensauce. Ich habe meinen jüngsten Onkel einmal nach dem Rezept gefragt, weil er die Rezeptsammlung meiner Großmutter geerbt hat. Er pfiff nur kurz und sagte: kompliziert. Zu Weihnachten gab es abends Tee und Waffeln aus der Patisserie Méert in Lille. Vanille, viel Butter, dazu ein leichter Mandelgeschmack – es war göttlich! Das Geschäft existiert noch heute, meine Kinder sind inzwischen wie ich süchtig danach.

Parfüms von Frédéric Malle gibt es in Berlin unter anderem im KaDeWe, The Corner am Gendarmenmarkt und MDC Cosmetic.

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