Erst 1928 war das Ziel erreicht

Seite 3 von 4
Die Suffragetten-Bewegung in Großbritannien : Frauen an der Front für ihre Rechte
Helen Pankhursts Urgroßmutter Emmeline Pankhurst 1911, mit ihren Töchtern Christabel (Mitte) und Sylvia, Helens Großmutter .
Helen Pankhursts Urgroßmutter Emmeline Pankhurst 1911, mit ihren Töchtern Christabel (Mitte) und Sylvia, Helens Großmutter .Foto: mauritius images

Zum endgültigen Bruch, so Sylvias Enkelin Helen Pankhurst, kam es aber aus anderem Grund. Sylvia, die nicht an die Institution der Ehe glaubte, hatte einen unehelichen Sohn bekommen. Emmeline brach den Kontakt ab. Obwohl sie selbst im Krieg vier uneheliche Halbwaisen adoptiert hatte.

Mit dem Krieg endete auch die alte Welt. Die Frauen hatten ihren Mann gestanden, konnten nicht mehr so kleingehalten werden. 1918 bekamen die Über-30-Jährigen in Großbritannien das Wahlrecht. Bis alle Briten (ab 21) zur Urne durften, sollten allerdings noch mal zehn Jahre vergehen.

Wenige Tage vor Verabschiedung des Gesetzes war Emmeline Pankhurst, krank und verarmt, mit knapp 70 gestorben. Zuletzt hatte sie noch, wieder vergebens, versucht, für die Konservativen einen Sitz im Parlament zu erringen. Tochter Christabel lebte inzwischen in Nordamerika, als Evangelistin der Adventisten.

Der Weg von der Märtyrerin zum Denkmal war im Falle Emmelines äußerst kurz, amüsierte sich die „New York Times“ einmal. Nur zwei Jahre nach ihrem Tod enthüllte der britische Premierminister eine Statue in Westminster, dem Parlamentsbezirk, dazu spielte das Blasorchester der Polizei. Das hatte sich freiwillig gemeldet.

Bis heute sind die Historiker sich nicht einig, wer und was am Ende für die Erringung des Wahlrechts verantwortlich war: die Gemäßigten, die den Rechtsweg bestritten, der Erste Weltkrieg oder die WSPU. Aber dass erst die Pankhursts und ihre Getreuen mit ihrem Guerillakampf das Frauenwahlrecht zu einem großen Thema in der Öffentlichkeit machten, daran zweifelt schon lange niemand mehr.

Also: Happy End, Vorhang zu? Kaum. Der Kampf für gleiche Bezahlung und gleichberechtigte Aufstiegschancen, den Emmeline und Christabel 1918 mit der Gründung ihrer „Woman Party“ erfolglos aufnahmen, ist noch lange nicht am Ende. So ist es vielleicht kein Zufall, dass die Suffragetten gerade ein regelrechtes Revival erleben. Pünktlich zum Filmstart hat der Sandmann Verlag ein Buch mit Porträts verschiedener Suffragetten herausgegeben, eine neue Graphic Novel erzählt die britische Geschichte, und der Steidl Verlag hat die Autobiographie von Emmeline Pankhurst frisch aufgelegt.

Auch für Sylvias Enkelin Helen Pankhurst ist die Sache noch nicht ausgestanden. Als einzige direkte Nachkommin der Familie in Europa hat die Feministin als Beraterin am Film mitgearbeitet, mit ihrer Tochter auch in einer Szene mitgespielt. Bei Publikumsgesprächen nach Filmvorführungen in Großbritannien und den USA habe sie viele Tränen, viel Wut und Frustration erlebt angesichts der Tatsache, dass noch so viel Ungleichheit existiert.

Neben der politischen Bedeutung hat der Streifen für die Aktivistin, die bei der internationalen Hilfsorganisation CARE arbeitet, eine persönliche: als Moment der Versöhnung. „Der Feminismus tritt in den unterschiedlichsten Formen auf, mit unterschiedlichen politischen Meinungen, links, rechts, alle möglichen Richtungen. Und meine Familie hat sie alle repräsentiert.“