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Egon Krenz : Ex-DDR-Chef hat Mitleid mit heutigen Politikern

Der ehemalige Staatschef der DDR lobt die Meinungsfreiheit, Udo Lindenberg und den CSU-Politiker Peter Gauweiler.

"Ich bin froh, dass ich Rentner bin", sagt Egon Krenz, 82, der immer noch als Buchautor und Vortragsredner aktiv ist.
"Ich bin froh, dass ich Rentner bin", sagt Egon Krenz, 82, der immer noch als Buchautor und Vortragsredner aktiv ist.Foto: Tobias Schwarz/AFP

Der ehemalige Staatschef der DDR, Egon Krenz, 82, wehrt sich gegen sein Image: “Ich bin kein Ignorant!”, sagte er im Interview mit dem “Tagesspiegel am Sonntag”. Darin zählt er Dinge auf, die er am heutigen Deutschland gut findet. Zum Beispiel habe ihm der Film "Gundermann" von Andreas Dresen "sehr gefallen", den er sich in Rostock im Kino angesehen habe. Als "Errungenschaft" sieht er außerdem den Artikel 5 des Grundgesetzes zur Meinungsfreiheit, auch wenn die Menschen in der DDR "bestens informiert" gewesen seien. "Sie rezipierten DDR-Medien und gleichzeitig die elektronischen Medien der Bundesrepublik und Westberlin."

Sympathie hegt Krenz für den Sänger Udo Lindenberg. Er sei "ein intelligenter Zeitgenosse, der auch eine wichtige Rolle im Kampf für Frieden und Abrüstung gespielt hat. Dass es dann nicht mehr zu einer DDR-Tournee kam, bedaure ich heute".  Unter den Politiker schätzt er besonders den CSU-Politiker Peter Gauweiler. "Mehr Leute von seinem politischen Format, und wir wären beim Zusammenwachsen von Ost und West weiter."  Er selbst wähle aber "die Linke, auch wenn mich die PDS 1990 ausgeschlossen hat". Krenz warnt vor der AfD, deren Erfolg er damit erklärt, dass "die etablierten Parteien  oft nicht die Interessen der Ostdeutschen vertreten, weil sie diese nicht kennen. Ich sehe manche Parallele zwischen 1989 und heute."

Scharfe Kritik äußert Krenz an den Umgangsformen in der Politik. "Was heutzutage Politiker aushalten müssen, ist barbarisch Ich habe sogar Mitleid mit ihnen und bin froh, dass ich Rentner bin." Krenz ist immer noch als Buchautor und Vortragsredner aktiv. "Mein Arbeitstag ist oft anstrengender als zu DDR-Zeiten. Früher hatte ich Referenten, die mir zuarbeiteten, jetzt recherchiere und schreibe ich alles selbst. Und nebenbei führe ich auch noch einen Haushalt."  

Das vollständige Interview mit Egon Krenz lesen Sie am Sonntag im Tagesspiegel oder ab Samstagabend im E-Paper.