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Essex in Großbritannien : 39 Leichen in Lkw-Container nahe London entdeckt

In einem Lkw in Essex, der aus Bulgarien stammen soll, wurden zahlreiche Leichen gefunden. Boris Johnson zeigt sich „entsetzt“ und kündigt umfassende Aufklärung an.

Fundort der 39 Leichen in Grays (Essex).
Fundort der 39 Leichen in Grays (Essex).Foto: Ben STANSALL / AFP

39 Leichen sind in einem Lkw-Container in der britischen Gemeinde Thurrock (Essex) entdeckt worden. Das teilte die örtliche Polizei in Essex am Mittwoch mit. Das Fahrzeug stamme vermutlich aus Bulgarien und sei in einem Industriegebiet in Grays östlich von London gefunden worden. Die Menschen seien noch vor Ort für tot erklärt worden. Die Polizei habe eine Mordermittlung begonnen.

Der Waterglade Industrial Park in Grays: In dem Lkw-Container waren 39 Leichen.
Der Waterglade Industrial Park in Grays: In dem Lkw-Container waren 39 Leichen.Foto: dpa/PA Wire/Stefan Rousseau

Ob es sich um ins Land geschleuste Migranten handelt, blieb zunächst offen. Doch deuten viele Umstände darauf hin. Der Fahrer sei unter Mordverdacht festgenommen worden, berichtete der „Telegraph“. Es handele sich um einen 25-jährigen Nordiren. Unter den Toten sei auch ein Teenager gewesen. Der Lastwagen sei am Samstag in dem britischen Fährhafen Holyhead in Großbritannien angekommen. Der Hafen ist knapp 500 Kilometer entfernt vom Fundort.

Identifizierung der 39 Leichen in Essex könnte länger dauern

Die BBC berichtet, dass die Polizei nun die Leichen zu identifizieren versuche. Dabei gingen die Behörden von einem „längeren Verfahren“ aus. Die Polizei von Essex richtete eine Hotline ein für Menschen, die befürchten, ihre Angehörigen könnten unter den Opfern sein.

Laut BBC schickte die nationale Polizei Ermittler an den Fundort. Sie untersuchen, ob organisierte Banden an dem Verbrechen beteiligt gewesen seien.

Boris Johnson spricht von „tragischem Vorfall in Essex“

Der britische Regierungschef Boris Johnson reagierte auf Twitter auf den Fund: Er sei „geschockt“ von dem „tragischen Vorfall in Essex“. Johnson kündigte umfassende Aufklärung an. Relativ wortgleich äußerte sich auch Priti Patel, die britische Innenministerin, auf Twitter.

Der Fundort des Containers - ein Industriegebiet in Grays östlich von London - wurde weiträumig abgeriegelt. Grays liegt in Thurrock an der Themse. Nähere Informationen lagen zunächst nicht vor.

Kam der Lkw über Irland nach Großbritannien?

Im walisischen Holyhead befindet sich der zweitgrößte britische Hafen. Dort kommen vor allem Schiffe und Fähren aus Irland an. Wenn man aus Bulgarien komme, sei die Einreise des Lkw über Holyhead ungewöhnlich, zitierte das Lokalmedium „EssexLive“ einen Funktionär eines Transportverbandes. Das könne an den verstärkten Kontrollen in den Häfen von Calais und Dover liegen. Der Lkw sei vermutlich mit einer Fähre aus Irland in Holyhead angekommen.

Sollte er in Bulgarien gestartet sein, dann müsste er von Kontinentaleuropa aus mit einer Fähre im irischen Hafen Rosslare angekommen und von dort auf der Straße nach Dublin gefahren sein, vermutet der Funktionär. „Das wäre ein weiter Umweg, ich schätze man braucht dafür einen Tag länger als üblich.“

Irlands Premier sprach laut BBC von einer Tragödie. Irische Ermittler würden untersuchen, ob der Lkw die irische Insel passiert habe.

Merkel „tief erschüttert“ über Schicksal der 39 Menschen in Essex

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich „tief erschüttert“ über das Schicksal der 39 Menschen, die „in einen LKW eingepfercht qualvoll den Tod gefunden haben“, wie Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin sagte. Er sicherte den britischen Behörden die „volle Unterstützung“ Deutschlands bei der Aufklärung zu.

Der Fund erinnert an einen österreichischen Fall im Jahr 2015. Damals wurden 71 Leichen in einem Kühltransporter in der Nähe von Wien gefunden. Es handelte sich um Flüchtlinge, die über die Balkanroute geschleust wurden, indem sie auf der Ladefläche auf engstem Raum ohne Wasser eingepfercht wurden. Wegen der Tat verurteilte im vergangenen Jahr ein ungarisches Gericht vier Schleuser zu hohen Haftstrafen.

Im Jahr 2014 hatte Hafenarbeiter im Hafen von Tilbury unweit von Grays einen Schiffscontainer geöffnet, nachdem sie lautes Klopfen und Hilfeschreie gehört hatten. In dem Container fanden sie eine Leiche und 34 Afghanen, die nach eigenen Angaben aus ihrem Heimatland geflohen waren, weil sie als Angehörige der religiösen Minderheit der Sikhs verfolgt wurden. Ein Mann hatte die Überfahrt von Belgien nach England nicht überlebt. (Tsp/AFP/dpa)

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