"Bei Facebook geht es darum, wie wir leben"

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Hannes Grassegger
Facebook-Server in der Nähe von Stockholm.
Facebook-Server in der Nähe von Stockholm.Foto: picture alliance / dpa

Und das Ziel ist?

Dem ganzen Silicon Valley geht es darum, etwas Vorhandenes durch etwas Eigenes zu ersetzen. Ein System zu hacken. Uber sagt: Wir brauchen keine Taxis mehr. Airbnb sagt: Wir brauchen keine Hotels mehr. Einen Teil meines Buches hab ich in Barcelona geschrieben. Ganze Viertel Barcelonas sind nur noch Airbnb-Territorium. Die Silicon-Valley-Firmen ziehen irgendeiner Branche, die sie für reif halten, einfach mal den Stecker und schauen dann, was passiert. Bei Facebook geht es darum, wie wir leben. Es ist ein Ersatz für Gemeinschaften. Für Stämme.

Wie meinen Sie das?

Es gibt die sogenannte Dunbar-Zahl. Sie besagt, dass Menschen, egal in welcher Epoche und an welchem Ort, immer nur mit etwa 150 Leuten echte Beziehungen pflegten. Das war ihre Dorfgemeinschaft. Ihr Metzger, ihr Freund. In unserer Zeit, wo man nicht mehr dort lebt, wo man geboren wurde, gibt es dieses kleine Ding in unserer Hosentasche, die Facebook-App, die einen genau mit diesen Leuten verknüpft, ganz unabhängig davon, wo man ist.

Sie wurden 2013, nach zwei Jahren, gefeuert. Warum denn?

Sie hatten sich gegen meine und für eine konkurrierende Produktstrategie entschieden. Dann musste ich halt gehen. Ganz normal im Valley.

Und danach?

Ich bin erst mal mit meinen drei Kindern aufs Land gezogen und habe am Buch geschrieben. Jetzt muss ich schauen, wie es weitergeht. Ich habe keine gute neue Geschäftsidee.

Sie wissen viel mehr über die fortschreitende Digitalisierung als die meisten anderen Menschen. Welche Schlüsse haben Sie gezogen?

Was meine Kinder angeht: Ich werde sie nicht auf Facebook lassen. Ich werde sie davor schützen, soweit ich es kann. Sie sollen in der Realität einer kleinen Gemeinschaft aufwachsen, nicht in einer Simulation davon.