"Das Schlimmste war der Alkohol"

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Gitarrenlehrer Peter Bursch : "Drogen? Ich bin naturstoned genug"
Peter Bursch, Musiker und Gitarrenlehrer, lernte eigentlich Klavier am Konservatorium.
Peter Bursch, Musiker und Gitarrenlehrer, lernte eigentlich Klavier am Konservatorium.Foto: Joe Kramer

Sie gingen mit Ton Steine Scherben auf Tour, haben Uschi Obermaier und Rainer Langhans in der K1 besucht, bei den Ostermärschen gespielt, schrieben für das anarchistische Satiremagazin „Der Metzger“. Sie haben mal behauptet, Sie seien nie politisch gewesen. Wer soll Ihnen das glauben?

Für uns stand immer die Musik an erster Stelle, wir konnten richtig improvisieren und frei spielen. Ton Steine Scherben waren keine reinen Musiker, wenn man so will. Die waren unheimlich nett, und ich finde es toll, wie die sich politisch engagierten und als Band wirkten. Aber spieltechnisch waren die anders drauf, das hielten die für nicht so wichtig. Wenn du einen Song spielst wie „Macht kaputt, was euch kaputt macht“, musst du kein Jimi Hendrix sein. Als Typen fanden wir sie klasse, wir haben auch mal bei denen übernachtet.

Sie waren als Kind bei den Pfadfindern, das ist ein eher biederer Haufen.

Von denen habe ich immerhin das Gitarrespielen. Wenn wir am Lagerfeuer saßen und ich gesehen habe, welche Stimmung aufkam, wollte ich das lernen. Mein älterer Bruder besaß eine Gitarre, die lag nur rum. Also habe ich angefangen, die Griffe zu üben, und begann seine Elvis-Platten nachzuspielen. Ich wollte wie der King sein und habe versucht, mir so eine Tolle zu drehen. Das hat nie hingehauen.

Eines Ihrer Markenzeichen sind die knallbunten Hemden. Wo bekommen Sie die eigentlich her?

Die meisten näht meine Frau, vor allem die für die Bühne. Alles Unikate. Mittlerweile habe ich davon mehr als 20.

Heute sind Sie Deutschlands dienstältester Hippie, vielleicht der letzte. Sterben die Hippies aus?

Nein, da muss man nur an „Burg Herzberg“ denken. Ein riesiges Festival Ende Juli. Es kommen 15 000 Leute aus ganz Europa, viele junge. Da gibt’s einen See wie bei Woodstock, und da schwimmen alle nackend.

Indien galt als Paradies für Hippies. Ihr Schlagzeuger und Ihre Sängerin sind dorthin gezogen. Haben Sie je überlegt, auszuwandern?

Eine Band aus München, Embryo, hat die Reise in den 70ern organisiert, den ganzen langen Weg in Bussen. Wir wollten mit, hatten allerdings schon Kinder, das Risiko war uns zu groß. Die beiden aus meiner Band sind mitgefahren – und erst nach Jahren zurückgekommen. Trotz vieler Einladungen habe ich es bisher nie nach Indien geschafft. Das ist noch ein Traum von mir.

Ein anderer aus der Band wurde Schäfer.

Ja, unser Bassist. Die allererste Besetzung spielte sechs Jahre zusammen. Immerhin 150 Konzerte im Jahr. Irgendwann wollte er das nicht mehr und zog nach Süddeutschland. Er hält eine große Schafsherde in der Nähe von Rothenburg ob der Tauber. Immer wenn ich da unterwegs bin, besuche ich ihn und seine 700 Schafe. Das ist ein hartes Leben, eigentlich hat er von uns allen das härteste. Ich glaube, er würde gern aufhören und zur Ruhe kommen. Aber das ist nicht einfach, es gibt wenig Nachwuchs in dem Job.

Sie selbst denken nicht ans Aufhören?

Nein. Ich wollte ja immer mit der Rockmusik populär werden, und dann kamen die Gitarrenbücher dazu. Das hat mir viele Freiheiten eröffnet und ein bisschen Druck rausgenommen. Die erste Bandformation ist auch wegen des Stresses auseinandergegangen. Du machst eine Platte, gehst auf Tournee, machst die nächste Platte, gehst wieder auf Tournee. Immer unter Druck. Das hältst du nicht lange aus. Wir hätten auch daran kaputtgehen können. Gerade in unserer Drogenphase.

Wann war das?

Ende der 60er, Anfang der 70er. Wir haben alles ausprobiert, viele Bücher gelesen, hatten Kontakt zu Timothy Leary ...

... dem Guru der Hippie-Bewegung, der sich für freien Zugang zu psychedelischen Drogen einsetzte.

Wir haben das gut vorbereitet, mit Leuten gesprochen, die das schon hinter sich hatten. Daraus haben wir eine Art Kult gemacht und uns eine Nacht Zeit dafür genommen. Das hielt nur alles nie lang. Wir haben transzendentale Meditation versucht – wie die Beatles. Ich habe später gemerkt, ich bin schon selbst naturstoned und verrückt genug.

Was für Drogen waren das?

Vor allem LSD. Alles, was bewusstseinserweiternd wirkte. Ein paar Pilze natürlich auch. Wir flogen auf alles, was nicht bürgerlich war. Ein Jahr lang haben wir in unserer Wohngemeinschaft makrobiotisch gelebt, im Grunde wie heute die Veganer. Ich möchte nichts davon missen. Das Schlimmste für unsere Gruppe war der Alkohol. Daran sind zwei von uns gestorben. Diese Gefahr ist für Musiker die größte. Du kriegst ja ständig alles umsonst hingestellt, wenn du auf Tour bist.