Erst in die Eisdiele danach ins Christianental

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Harz : 48 Stunden im sommerlichen Wernigerode
Kühlbierabend am Marktplatz.
Kühlbierabend am Marktplatz.Foto: Michael Bader

10 Uhr

Jenseits der Stadtmauer liegt der Bürgerpark. Das Gelände war Schauplatz der Landesgartenschau 2006 und dient seither vor allem Familien als Ausflugsziel. Während die Kinder Ziegen, Esel und Kaninchen füttern (Achtung: Die beißen!), chillen die Eltern auf ergonomisch geformten Schaukelliegen. Die größte Attraktion ist der Miniaturenpark am Eingang, der es erlaubt, einmal quer durch den Harz zu wandern. Vom Domschatz in Halberstadt bis zur Kaiserpfalz in Goslar sind es nur wenige Meter, auf Knopfdruck fahren Modelleisenbahnen hoch zum Brocken.

13Uhr

Zu DDR-Zeiten war der VEB Elektomotorenwerk der größte Arbeitgeber Wernigerodes. Nach der Wende erfüllte sich Clemens Aulich, Unternehmer aus Braunschweig, in den Produktionshallen einen Traum und stellte seine Flugzeuge, die der Sammler aus 120 Jahren Luftfahrt zusammengetragen hatte, hinein. In vier Hangars kann man vom Heißluftballon bis zum Düsenjäger alles hautnah betrachten. Ein Windtisch erklärt den Auftrieb, ein Schleudersitz veranschaulicht den Notausstieg über den Wolken, absolutes Highlight ist der Flugsimulator in einer Messerschmidt. Wenn demnächst die Transall auf dem Dach steht, wird das Luftfahrtmuseum im Gießerweg 1 auch leichter als bisher zu finden sein, und man fährt nicht daran vorbei.

Heißgetränkepause in den Cafés der Innenstadt.
Heißgetränkepause in den Cafés der Innenstadt.Foto: Michael Bader

15 Uhr

Am Galgenberg entlang, die Schlachthofstraße hinunter und einmal über die Bahnschienen, lockt Busche’s (sic!) Eisdiele mit selbst gemachten Milcheiskugeln, die die Wernigeröder schon seit Jahrzehnten kennen und lieben. Eine Kugel Mohn-Marzipan „mit Schokohut“ (1,20 Euro) stärkt für die kurze Autofahrt ins Christianental. Der kleine Tierpark am südöstlichen Stadtrand Wernigerodes liegt mitten im Wald und kann von der Stadt wie vom Schloss aus gut zu Fuß erwandert werden. In den Gehegen äsen und zwitschern fast ausschließlich einheimische Tierarten, meist Unfall- und Fundtiere, die nicht mehr ausgewildert werden können. Danach ein kräftiges Wildgulasch im Schatten der Mammutbäume, die am Waldgasthaus stehen. Mammutbäume im Harz? Wieder haben die Grafen von Wernigerode ihre Finger im Spiel: Als Jagdgebiet im Stil eines Englischen Gartens angelegt, wurden die exotischen Bäume ins beschauliche Harzstädtchen importiert. Die 165 Jahre alten Exemplare aus Amerika sind inzwischen 33 Meter hoch und absolut pflegeleicht. Glücklich ist der, der eine seiner seltenen Früchte findet.

18 Uhr

Ein Besuch in Wernigerode ist nur komplett, wenn man auf dem Brockengipfel gestanden hat. Ein Gefühl, das Benno Schmidt gut kennt: Für den 86-Jährigen war der höchste Berg Norddeutschlands 40 Jahre lang Grenzgebiet und somit unerreichbarer Sehnsuchtsort. Seit der Wende läuft er fast täglich hinauf, inzwischen mehr als 8450 Mal. Wenn sich der Gipfel mal in Nebel hüllt, weiß „Brocken-Benno“, welcher Aufstieg sich lohnt. Er empfiehlt den – wesentlich kürzeren – Weg zum Kaiserturm. Man kann auch mit dem Auto fast bis nach oben fahren, den Ernst-Moritz-Arndt-Weg entlang bis zum Försterplatz. Von dort sind es ein paar Gehminuten am Gasthaus Armeleuteberg vorbei und 64 Stufen hoch, um eine neue Perspektive auf Wernigerode zu haben. Das Schloss wirkt nicht mehr ganz so trutzig und die Stadt so bunt, wie Hermann Löns sie beschrieben hat.

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