Mehr Rollen für Frauen in Hollywood

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Hollywoodstar Sharon Stone : „Richard Gere am Flügel – die Tasten voller Blut“
Marco Schmidt
Sharon Stone.
Sharon Stone.Foto: dpa

Viele Schauspielerinnen beklagen, dass es – jenseits der jugendlichen Geliebten – kaum gute Rollen für Frauen in Hollywood gäbe.

Ich weiß. Meine Kollegin Elizabeth McGovern meinte einmal, sie würde immer dann ein Projekt zusagen, wenn sie bei der Lektüre des Drehbuchs nicht gleich kotzen müsste. Doch die Situation bessert sich langsam. Ich schätze, jede Minute kommt ein kreativer Kopf im Filmbusiness auf eine erstaunliche neue Idee. Wenn Sie offen dafür sind, dann werden Sie auch davon erfahren. Ich versichere Ihnen: Ich bin verdammt offen dafür!

Sie könnten sich ja auch aufs Schreiben verlegen.

Stimmt. Ich habe schon als junges Mädchen gern geschrieben. Mein Geschreibsel hat mir damals sogar ein College-Stipendium eingebracht. Inzwischen sind Kurzgeschichten von mir in sieben oder acht verschiedenen Zeitschriften erschienen. Für den Titelsong des Benefizalbums „Come Together Now“ zugunsten der Opfer des Hurrikans Katrina habe ich den Liedtext verfasst. In Schweden kam meine Poptanznummer „Let’s Kiss“ heraus, in Argentinien wurde ein Lied von mir über einen ermordeten Schriftsteller veröffentlicht. An ein Drehbuch habe ich mich allerdings bis dato noch nicht herangetraut.

Reizt es Sie, einmal auf den Regiestuhl zu wechseln?

Auf jeden Fall. Wenn sich die Gelegenheit ergibt und die nötigen Geldgeber finden, schlage ich zu. Mich interessieren Filme, die ein wenig seltsam sind und in keine Schublade passen. Und ich schätze, dass meine Inszenierung auch ziemlich speziell sein wird.

Sie haben mit vielen bedeutenden Regisseuren gearbeitet – von Woody Allen über Sidney Lumet und Paul Verhoeven bis Jim Jarmusch. Wer hat Sie am meisten geprägt?

Da kommt mir zuerst Mark Rydell in den Sinn, mit dem ich an der Seite von Richard Gere „Begegnungen“ gedreht habe. Denn Mark erzeugte eine zauberhafte Atmosphäre am Set. Er ließ erst die Crew den Drehort einrichten, bat dann die Schauspieler hinzu, ließ uns applaudieren und sagte: „Liebe Crew, vielen Dank für Ihre wunderbare Arbeit. Seien Sie nun herzlich eingeladen, zu erleben, wofür Sie heute geschuftet haben: Nehmen Sie Platz und sehen Sie den Darstellern zu.“ Wir hatten also beim Spielen stets ein aufmerksames Publikum, die Stimmung war geprägt von gegenseitigem Respekt. Eine Arbeitsweise, an der sich viele Regisseure ein Beispiel nehmen könnten.

Sind Sie zufrieden, wenn Sie Ihre bisherige Karriere Revue passieren lassen? Oder bereuen Sie einige Entscheidungen?

Als bei der Preisverleihung in Marrakesch all die verschiedenen Filmausschnitte über die Leinwand flimmerten, fühlte ich mich so, als würde ich mir alte Babyfotos ansehen. Ich dachte: „Wow, du machst den Job ja schon eine ganze Weile!“ Ich glaube, im Nachhinein sind viele meiner Entscheidungen durchaus nachvollziehbar. Nach „Basic Instinct“ hätte ich viele Jahre lang einen Blockbuster nach dem anderen drehen können, doch ich habe mich stattdessen für engagierte kleine Filme wie „Last Dance“ entschieden. Leute, die damals den Kopf geschüttelt haben, sehen mich heute als ganze Persönlichkeit – nicht nur mein filmisches Werk, sondern auch meine humanitäre Arbeit und mein politisches Engagement. Nun ergeben die Puzzlestücke hoffentlich ein stimmiges Bild. Es ging mir nie darum, möglichst viele Zuschauer anzulocken, sondern etwa das Bewusstsein für bestimmte Themen zu schärfen.

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