Nervt sie die Schlüpfer-Szene aus "Basic Instinct"?

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Hollywoodstar Sharon Stone : „Richard Gere am Flügel – die Tasten voller Blut“
Marco Schmidt
Sharon Stone.
Sharon Stone.Foto: dpa

Der Film hat Sie weltberühmt gemacht. Wie ist es, wenn Sie heute daran zurückdenken?

Plötzlicher Ruhm ist etwas Gruseliges: Wildfremde Leute stürzen sich auf dich, grapschen dich an, schleichen sich in dein Hotelzimmer und klauen dir den Lippenstift. Wie in einem schlechten Film. Süß fand ich, dass mich viele ältere Pärchen ansprachen: „Danke! Sie haben das Feuer der Leidenschaft wieder in uns entfacht!“ Doch all das ist 20 Jahre her. Schnee von gestern. Ich verschwende keinen Gedanken mehr daran.

Die Szene, in der Sie zeigen, dass Sie keinen Schlüpfer tragen, erregte vermutlich Millionen Menschen, die heute bei Ihrem Anblick immer noch daran denken. Nervt Sie das nicht?

Natürlich ist das bescheuert. Aber es stört mich nicht. Von mir aus sollen die Leute tun und denken, was sie wollen. Ich bin nach wie vor dankbar für die Rolle, denn sie hat mir viele Türen geöffnet. Ohne „Basic Instinct“ hätte mich beispielsweise Martin Scorsese nie als Gangsterbraut in „Casino“ besetzt.

Scorsese hat Ihnen beim Filmfestival von Marrakesch einen Preis für Ihr Lebenswerk verliehen. In seiner Laudatio hat er Sie „meine liebe Freundin“ genannt.

Ja, die fünfmonatigen Dreharbeiten haben uns eng aneinandergeschweißt. Es kam hinzu, dass ich mittendrin wegen einer Eierstockoperation ins Krankenhaus musste. Während meiner einwöchigen Rekonvaleszenzphase rief ich ihn jede Nacht an, vollgepumpt mit Schmerzmitteln, und wir sprachen über meine Filmfigur, über Gott und die Welt, über die intimsten Geheimnisse. Er ist ein ganz besonderer, äußerst sensibler Mensch, der mir in diesen stundenlangen Gesprächen sehr ans Herz gewachsen ist. Wissen Sie was? Ich finde, wir sollten einen Moment innehalten und uns wünschen, dass Marty mir noch einmal eine Rolle in einem seiner Filme schenkt. Würden Sie das für mich tun?

Wenn Sie glauben, dass es hilft!

Dann lassen Sie uns jetzt ganz fest an eine tolle neue Rolle in einem Scorsese-Film denken.

Sharon Stone schließt 25 Sekunden lang die Augen.

Danke! Das weiß ich sehr zu schätzen.

Sie sind ohne einen Mann an Ihrer Seite nach Marrakesch gekommen …

… und ich genieße das sehr! Aber Sie glauben ja gar nicht, wie viele giftige Blicke man erntet, wenn man als Frau allein auf solche Empfänge geht. Die Leute denken, man wäre entweder lesbisch oder krank oder auf Männerjagd. Inzwischen kann ich darüber lachen. Ich möchte bloß meine Ruhe haben. Wenn es um Beziehungen geht, stehe ich auf Gourmetküche, nicht auf Fast Food. Ich muss nicht krampfhaft nach einem Kerl suchen, bloß damit irgendjemand an meiner Seite ist, der mich vielleicht einmal pro Woche zum Essen ausführt. Ich war immer eine Einzelgängerin und bin mir selbst genug. Meine Kinder sind ohnehin mein Ein und Alles.

Sie haben alle drei Jungs mit hierher nach Marokko gebracht.

Ja, denn ich wollte ihnen unbedingt dieses Land zeigen. Sie sollen mit möglichst vielen positiven Eindrücken heimkehren, an die sie sich später gern erinnern: an die Kamelritte, die Sanddünen in der Wüste, die Souks... Ich möchte, dass sie zu weltoffenen Wesen heranreifen – und dass sie die muslimische Welt nicht wie viele Amerikaner bloß als diffuse Bedrohung wahrnehmen.

Finden Sie, dass die arabische Welt in den US-Medien nicht differenziert dargestellt wird?

Machen Sie Witze? Amerikanische Nachrichten sind eine Katastrophe – einseitig und niveaulos! Die USA sind eine narzisstische Nation, völlig auf sich selbst fixiert: Es geht immer nur um Amerika; der Rest der Welt wird so gut wie gar nicht registriert. Stellen Sie sich vor, bevor George W. Bush zum Präsidenten gewählt wurde, hatte er die USA noch nicht ein einziges Mal verlassen! Als er dann später nach Europa reisen musste, schaute er sich dort auch nichts an, sondern ging lieber früh ins Bett. Wie zum Teufel kann man jemanden globale Entscheidungen treffen lassen, der den Globus überhaupt nicht kennt? Wir brauchen doch, verdammt noch mal, an der Spitze unseres Landes Politiker, die sich für internationale Zusammenhänge interessieren! Leute wie Hillary Clinton zum Beispiel.

Was halten Sie von Barack Obama?

Viel. Er schert sich nicht primär um seine Popularität, sondern möchte wirklich etwas bewegen. Nehmen Sie nur seine Gesundheitsreform: Obama hat erkannt, dass wir ein vernünftiges Sozialversicherungssystem und eine solide Altersversorgung brauchen. Schließlich wird unsere Lebenserwartung immer höher. Während man sich früher in meinem Alter langsam zur Ruhe gesetzt hat, können wir heute durchaus 100 Jahre alt werden. Auch ich hoffe, dass noch viele schöne Aufgaben auf mich warten.

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