Wofür sie ihren Ruhm nutzte

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Hollywoodstar Sharon Stone : „Richard Gere am Flügel – die Tasten voller Blut“
Marco Schmidt
Sharon Stone.
Sharon Stone.Foto: dpa

Worauf sind Sie besonders stolz?

Auf die Tatsache, dass ich nicht bloß eine Werbefläche war, sondern meinen Ruhm dazu genutzt habe, sinnvolle Dinge zu tun. Mitte der 80er Jahre wurde ich bei Dreharbeiten in Simbabwe zum ersten Mal mit bitterer Armut konfrontiert. Als ich im Laufe der Jahre hautnah miterlebt habe, was es bedeutet, kein Wasser und kein Dach über dem Kopf zu haben, an keine Medizin heranzukommen und an Aids zu verrecken, da hat sich mein Fokus mehr und mehr verschoben: weg von den Filmen, in denen ich ja zugegebenermaßen auch nicht immer gut war, hin zu humanitärem Engagement. Hierin sehe ich meine eigentliche Berufung.

Michael Douglas hat einmal gesagt, Sie seien eine der bedeutendsten und begnadetsten Spendensammlerinnen aller Zeiten. Vor sieben Jahren habe ich erlebt, wie Sie bei der „Cinema for Peace“-Gala in Berlin die absurdesten Dinge zugunsten der Krisenregion Darfur versteigert und dabei die Preise in astronomische Höhen getrieben haben.

Zu diesem Abend muss ich Ihnen aber unbedingt noch etwas erzählen. Wie Sie sich vielleicht erinnern, habe ich Richard Gere so lange geneckt, bis er zu mir auf die Bühne kam, sich an den Flügel setzte und zu spielen begann. Von da an waren wir wie ein Entertainerduo: Er spielte Klavier, ich quasselte pausenlos, und wir machten so lange weiter, bis jeder im Saal buchstäblich sein letztes Hemd gegeben hatte. Als wir das allerletzte Stück versteigert und ich schon längst meine High Heels in die Ecke gepfeffert hatte, lief ich in meinem Abendkleid barfuß auf ihn zu, sprang auf den Flügel und glitt bäuchlings zu ihm hin, bis sich unsere Lippen berührten…

… und das Bild, das ein Fotograf von dieser Szene machte, ging damals um die ganze Welt.

Ja, aber es gibt etwas, das man auf dem Foto nicht erkennen kann: Als ich nämlich nach unten sah, bemerkte ich, dass die Tasten des Flügels ganz rot waren – vor lauter Blut! Wissen Sie, Richard kaut an seinen Fingernägeln, und als mir schlagartig bewusst wurde, dass er offenbar wie ich so sehr an die gute Sache glaubte und sich dermaßen in einen Rausch hineingesteigert hatte, dass alles andere egal war, da fühlte ich eine unglaublich tiefe Verbundenheit mit ihm. Das war ein überwältigender Moment, den ich nie im Leben vergessen werde.

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